Geimpft geschädigt geleugnet

Der Verein "Mediziner und Wissenschaftler für Gesundheit, Freiheit und Demokratie e.V." möchte mit dem Projekt geimpft, geschädigt, geleugnet" betroffenen Menschen eine Stimme geben, die über die sogenannte Corona-Schutzimpfung erhebliche gesundheitliche Schäden erleiden mussten. Immer noch wird ein dringend erforderlicher Diskurs über die teilweise schrecklichen Folgen dieser beispiellosen Impfkampagne mit massivem gesellschaftspolitischem Druck gezielt verhindert. Dies gilt insbesondere für die Akteure im Gesundheitswesen.

Deshalb wollen wir auch mutigen Ärzten und Therapeuten sowie anderen Berufsgruppen, die mit der Impfkampagne und deren Auswirkungen beruflich belastet waren und sind, eine Plattform bieten, um ihren Beitrag zur Aufarbeitung dieser verschwiegenen Katastrophe zu leisten – im Interesse der geschädigten Menschen und des gesellschaftlichen Friedens.

Mit viel Herzblut und großem Engagement setzen wir vom Verein MWGFD uns für Sie ein. Dafür müssen auch laufende Kosten getragen werden, z. B. für die Organisation unserer Pressesymposien, für Geschäfts- und Pressestelle, für Druck und Versand von Flyern und Informationsbroschüren, für den Betrieb der Imfpgeschädigten-Hotline und für das Forum uns unterstützender Ärzte und Heilpraktiker.
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Episodes

Aug 8, 2026

48 min


Sie wollte Leben schützen – und verlor fast ihr eigenes. Die Physiotherapeutin Christiane Gund war eine überzeugte Befürworterin der Corona-Impfung. Heute lebt sie mit den Folgen eines schweren Impfschadens: doppelte Hirnvenenthrombose, Hirnblutung, Hemiparese, Epilepsie, dauerhafte Einschränkungen. In der Interviewreihe „geimpft, geschädigt, geleugnet“ sprach sie mit Johannes Clasen über Angst, Vertrauen, Druck – und darüber, wie allein sie sich seit ihrem Zusammenbruch fühlt.
Sie wollte damit die Welt retten
Als Christiane Gund am 20. Februar 2021 im Impfzentrum Mannheim ihre AstraZeneca-Impfung erhielt, war für sie völlig klar: Das ist der richtige Weg. Sie glaubte an die Impfung. Sie vertraute Ärzten, Politik und Behörden. Und sie empfand die Impfung fast als Pflicht. Denn eine echte Entscheidungsfreiheit habe sie damals nicht gehabt.   
Die Physiotherapeutin gehörte zur höchsten Priorisierungsgruppe. Ohne Impfung hätte sie nicht  mehr arbeiten dürfen. Gerade erst hatte sie ihre eigene Praxis eröffnet – mit Kredit und langfristigem Mietvertrag. Gleichzeitig war ihre Mutter schwer an Krebs erkrankt. Die Angst, sie mit Corona anzustecken, saß tief. Zudem sei das für sie „eine ganz normale Impfung, dass man dann gesund bleibt“ gewesen.
Rückblickend beschreibt sie sich selbst als starke Impfbefürworterin. Sie habe Menschen vom Impfen überzeugen wollen, habe Druck weitergegeben, den sie selbst gespürt und von den Behörden auferlegt bekommen habe. Auf Ungeimpfte habe sie mit dem Finger gezeigt: „Hier, der ist es.“ Zu Johannes Clasen sagt sie heute erschüttert:
„Ich hätte dich praktisch auch zum Scheiterhaufen geführt.“
Heute ist sie fassungslos über sich selbst.
Stunden später beginnt der Albtraum
Schon kurz nach der Impfung reagierte ihr Körper massiv. Innerhalb von zwei Stunden bekam sie über 40 Grad Fieber. Sie versuchte, sich zu beruhigen: „Ja, das gibt’s mal, das kennen wir ja auch von kleinen Kindern, wenn die geimpft werden.“
Doch das Fieber blieb. Am nächsten Tag brachte ihr Mann sie ins Krankenhaus. Sie konnte kaum noch laufen.
„Es musste auch jemand mithelfen, auf dem Parkplatz, mich aus dem Auto zu holen.“
Ihr Mann durfte sie nicht begleiten. In der Notaufnahme bekam sie Medikamente. Eine Ärztin beruhigte sie:
„Frau Gund, Sie haben eine Impfreaktion, Sie sind nicht die erste, aber das gibt es mal.“
Nach einigen Stunden wurde sie wieder nach Hause geschickt – trotz hohem Fieber, Erschöpfung und Herzrhythmusstörungen.
Heute wirkt dieser Moment wie der Beginn einer fatalen Fehleinschätzung. Denn später wird man massive Hirnschäden und sogar einen Thrombus im Herzen finden.
Fehlende Meldung ans PEI
Heute weiß sie: Bereits damals hätte ihr Fall von den Ärzten als schwere Impfnebenwirkung gemeldet werden müssen. Christiane Gund meldete ihre Beschwerden selbst an das Paul-Ehrlich-Institut – zunächst direkt am 21. Februar aus der Notaufnahme heraus, später am 24. Februar erneut per Handy. Eine Rückmeldung auf diese Meldungen erhielt sie nicht.Erst zwei Wochen später, als sie schon in einem lebensbedrohlichen Zustand war, wurde ihr Fall am 5. März 2021 seitens der Klinik ans Paul-Ehrlich-Institut gemeldet.
Arbeiten trotz Fieber – aus Angst um die Existenz
Christiane Gund schleppte sich weiter durch den Alltag. Ihre Praxis war erst kurz zuvor eröffnet worden. Patienten warteten. Rechnungen mussten bezahlt werden.
Also nahm sie Fiebersenker und arbeitete weiter:
„Ich hab Fiebersenker genommen, um arbeiten zu können.“
Erneut suchte sie ärztliche Hilfe. Doch auch ihr Hausarzt erklärte ihr, eine Impfreaktion könne „schon fünf Tage dauern“. Fatalerweise veranlasste er keine weiteren Untersuchungen. Zudem vertraute sie weiterhin den Ärzten:
„Ich war der Meinung, ich brauch nicht mehr zum Arzt gehen, warum soll ich zum Arzt gehen, wenn es nur eine Impfreaktion ist, wenn ich untersucht worden bin.“
Doch Christianes Beschwerden wurden schlimmer. Massive Kopfschmerzen kamen hinzu, arbeiten war nicht mehr möglich. Mit vermeintlicher Migräne ging sie zur Osteopathin, erbrach sich dort vor Schmerzen. Trotzdem ging sie nicht mehr in die Klinik – weil ihr immer wieder gesagt wurde, es sei „nichts“.
„Gelähmt zusammengebrochen“
Am elften Tag nach der Impfung alarmierten ihre Kinder den Vater, da Christiane Gund kaum noch reagierte. Doch sie weigerte sich vehement, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen, da sie glaubte, ausreichend untersucht worden zu sein.
Zwei Tage später brach sie morgens gelähmt zusammen.
Ihr Mann alarmierte den Rettungswagen. Doch die Antwort schockierte ihn: Bei einer Impfreaktion müsse man zum Hausarzt gehen.
Erst als die Praxis des Hausarztes öffnete und dieser selbst den Rettungsdienst rief, kam Hilfe. Im Krankenhaus stellten die Ärzte schließlich fest, wie dramatisch ihr Zustand war: doppelte Hirnvenenthrombose, geplatzte Gefäße, eine 7,5 Zentimeter große Hirnblutung. Das Gehirn war so massiv angeschwollen, dass man ihr nicht helfen konnte.
„Egal, was sie mir gegeben haben, es wurde immer schlimmer.“
Immer weitere Thrombosen entstanden –
„in vielen Organen, im Herz, in der Lunge, in der Leber, im Bein, im Bauchraum“.
Dabei war ihre Gerinnungsstörung bereits vor der Impfung bekannt und dokumentiert worden.
In der Nacht entfernten Ärzte einen Teil ihrer Schädeldecke, um den Druck zu senken. Ihrem Mann hatte man gesagt, dass das wahrscheinlich „nicht klappen“ werde.
„Es war […] leider so, dass ich dem Tod sehr nahe stand.“
Zwischen Leben und Tod
Vieles aus dieser Zeit weiß sie nicht mehr. Sie lag mit gestörten Blutgerinnungsfaktoren auf der Intensivstation, verlor viel Blut, erhielt Blutkonserven, kämpfte ums Überleben.
Und doch erinnert sie sich an einen Gedanken: Sie habe nie geträumt zu sterben, sondern dass sie vielen Menschen helfe. Und tatsächlich: Sie überlebt. Doch ihr Leben wird nie wieder dasselbe sein.
Kurz nach ihrem Fall traten auch in Österreich ähnliche Fälle auf. AstraZeneca geriet zunehmend in Verruf. Die Universität Greifswald warnte davor, Heparin in Verbindung mit dem Impfstoff einzusetzen, weil dadurch Thrombosen verstärkt werden könnten. Der Impfstoff wurde für zwei Wochen ausgesetzt.
Am 30. März 2021 traten Angela Merkel und Jens Spahn vor die Öffentlichkeit und erklärten, dass es nach AstraZeneca-Impfungen zu Hirnvenenthrombosen gekommen sei, das Nutzen-Risiko-Profil aber weiterhin positiv bewertet werde. AstraZeneca solle fortan nur noch für Menschen über 60 Jahren eingesetzt werden. Zweitimpfungen mit AstraZeneca wurden nur noch auf freiwilliger Basis empfohlen, gleichzeitig riet man zu sogenannten Kreuzimpfungen mit anderen Herstellern.
Für Christiane Gund ist das bis heute schwer zu ertragen. Denn sie kennt mehrere Menschen mit ähnlichem Schicksal, die erst später geimpft wurden. Menschen, deren Schäden ihrer Ansicht nach hätten verhindert werden können, wenn Politik und Behörden früher anders reagiert hätten.
Als sie das Krankenhaus verließ, trug sie einen Helm, da ein Teil ihres Schädels und „viel Hirnmasse“ fehlten. Später erhielte sie ein Implantat aus Hartschaumplastik. Danach begannen schwere epileptische Anfälle.
Heute leidet sie neben der Halbseitenlähmung unter schwerer Epilepsie und Sehstörungen. Gleich mehrere Faktoren erhöhen das Risiko für einen epileptischen Anfall: die fehlende Hirnmasse, das Implantat aus Hartschaumplastik mit den tiefen Narben am Kopf und die massive Vorschädigung des Gehirns.
Dinge, die früher selbstverständlich waren, sind nun gefährlich oder unmöglich geworden: in der Badewanne liegen, das Fahrradfahren mit Helm, einfache Alltagswege wie „ins Auto setzen und Klopapier kaufen“ seien heute eine große Herausforderung.
„Es ist so gruselig, aber das ganze Leben ist ja jetzt gruselig.“
„Wir werden nicht versorgt“
Besonders schmerzhaft ist für sie nicht nur der körperliche Schaden – sondern vor allem das Gefühl, nach all dem allein gelassen worden zu sein: von Freunden, vom System, von der Gesellschaft und von der Politik.
Über Kontakte zur SPD versuchte Christiane Gund immer wieder, Politiker auf ihr Schicksal und das vieler anderer Betroffener aufmerksam zu machen. Denn:
„Es darf nicht mehr passieren! Es darf nicht mehr passieren!“
Heute klingt in ihrer Stimme vor allem Resignation mit.
„Es wird nicht dokumentiert, es wird auch in meinem Fall einfach gesagt: Ist halt so, gewöhnen Sie sich dran.“
Ein Satz, der sie tief trifft.
Besonders schwer wiegt für sie, dass sie sich „auf das Versprechen des Staates verlassen“ hatte, „dass einem bei Impfschäden geholfen wird.“ Doch genau das erlebt sie bis heute nicht. Obwohl ihr Impfschaden offiziell anerkannt wurde, muss sie bis heute um Therapien, Rezepte und Medikamente kämpfen:
„Es ist jedes Mal ein Kampf.“
Dabei hätte sie nach ihrer Entlassung intensive Unterstützung gebraucht. Sie musste wieder sprechen lernen, gehen lernen, essen lernen. Halbseitig gelähmt saß sie im Rollstuhl – und erhielt dennoch nicht die Therapien, die sie dringend gebraucht hätte.
„Ich hätte ein halbes Jahr alles kriegen müssen. Ergotherapie, Logopädie, Reha, Physiotherapie.“
Doch als Selbstständige fiel sie durch viele Raster des Versorgungssystems. Selbst in ihrer eigenen Praxis bekam sie keine Therapie.
Dass sie heute überhaupt wieder arbeiten kann, verdankt sie vor allem ihrem eigenen Kampfgeist.
„Ich hab jeden Tag trainiert und geübt.“
Immer wieder habe sie eingefordert, dass mit ihr gearbeitet werde.
„Ich war da sehr renitent.“
Der Druck, zu impfen
Besonders bitter und aus heutiger Sicht unverständlich: Trotz ihrer schweren Reaktion ließ sie sich später erneut impfen – zweimal mit BioNTech. Auch ihre Kinder und ihr Mann erhielten weitere Impfungen.
Warum?
Weil sie nach nur einer AstraZeneca-Impfung offiziell weiterhin als ungeimpft galt. Weil sie Angst hatte, beruflich erneut ausgegrenzt zu werden. Weil ihr niemand eine Impfbefreiung attestieren wollte. Und weil sie erleben musste, dass Ungeimpfte teilweise keine Behandlung erhielten:
„Hattest du keine Impfung, keine Behandlung. Krank. Das ist krank.“
Hinzu kam die Angst, die Ärzte ihr und ihrer Familie vermittelt hatten: Wegen ihres schlechten Gesundheitszustands könne sie an einer Corona-Infektion sterben.
„Diese Angst, jemanden zu verlieren, war so schlimm.“
Auch ihre Berufsverbände hätten massiven Druck aufgebaut. So kopierte sie Impf-Ausweise ihrer Mitarbeiter, archivierte sie und kontrollierte Vorgaben – aus Angst, ihre Praxis zu verlieren.
„Ich hab gedacht, dass ich das machen muss. Dass ich die Welt weiterhin retten kann.“
Dann stockt sie.
„Und hab gedacht, die Welt rettet mich. Aber es war halt nicht so.“
Zwischen allen Fronten
Nach ihrem öffentlichen Auftreten in RTL und SWR bekam sie Hass und Anfeindungen von beiden Seiten zu spüren:
Impfgegner schrieben ihr, sie sei selbst schuld an ihrem Schicksal. Impfbefürworter drohten ihr, die sie mit nur einer Impfung als ungeimpft galt, ebenfalls: „Zu viele Ungeimpfte, zu wenig Sensen“, so der Post eines Patienten.
Christianes Verletzungen sitzen tief. Denn sie war selbst lange Teil genau dieses Systems aus Druck und Ausgrenzung gewesen. Schuldbewusst erinnert sie sich an ihre ungeimpfte Reinigungskraft, der sie den Zutritt zur Praxis verweigern musste. Als diese schwanger war, sagte sie zu ihr:
„Wenn du dich nicht impfen lässt, du bringst dein Kind um.“
Heute schämt sie sich für diese Sätze.
„Es war leider so. Ich hab das alles so gedacht.“
Ein Trauma, das bleibt
Trotz allem arbeitet Christiane Gund heute zeitweise wieder als Physiotherapeutin. Seit ihrem Wiedereinstieg organisiert ihr Mann die Praxis, übernimmt Bürokratie und vieles im Alltag. Nach außen funktioniert sie. Doch innerlich ist vieles zerbrochen. Sie ist schwer traumatisiert.
Besonders beschäftigt sie die Frage, warum ihrer Meinung nach bis heute keine umfassende Aufarbeitung stattfindet.
„Für jeden Scheiß gibt es einen Untersuchungsausschuss, aber für diese Sache nicht.“
Auch beruflich beobachtet sie Entwicklungen, die ihr Sorgen machen. Seit Jahrzehnten arbeitet sie als Physiotherapeutin – doch das Ausmaß schwerer Erkrankungen, das sie heute erlebt, erschüttert sie. Denn inzwischen sehe sie zunehmend Darmkrebs, Brustkrebs, Schlaganfälle, Guillain-Barré-Syndrom oder ALS – auch bei jungen Menschen – wie sie es in dieser Häufigkeit früher nicht erlebt habe.  Denn das seien
„eigentlich alles so Erkrankungen gewesen, wo du dann gesagt hast, so was gibt’s mal. […] . Aber dass ich das so massiv hab, auch bei uns hier im Ort, dass wir drei ALS-Erkrankte haben, bei denen zwei verstorben sind und jung, ja mitten im Leben. […] Das ist ungewöhnlich.“
Vor allem aber macht ihr Angst, wie eine ähnliche Krise künftig gehandhabt werden könnte. „Ich mach mir ganz große Sorgen, was wir beim nächsten Mal machen.“
Denn nachträgliche Erkenntnisse helfen ihr und ihrer Familie nicht mehr.
„Es hilft mir nicht, das nachträglich zu bemerken. Mir ist es passiert, meiner Familie.“
Wenn sie die Zeit zurückdrehen könnte? Christiane antwortet zunächst erschreckend ehrlich: Wenn sie bei diesem Zeitsprung so wäre wie damals, würde sie es wieder genauso machen. Weil sie wieder funktioniert hätte. Weil sie wieder vertraut hätte. Weil sie wieder Teil des Systems gewesen wäre.
Doch mit dem Wissen von heute sagt sie unter Tränen zwei Worte:
„Nie mehr.“
Und sie ergänzt:
„So lang die mir nicht beweisen können, was der Fehler war […] und solange nichts offengelegt und dokumentiert wird, wäre ich raus.“
Für Christiane Gund bleibt deshalb vor allem diese Hoffnung: Dass Menschen mit schweren Nebenwirkungen künftig früher ernst genommen werden und dass das Geschehene gründlich aufgearbeitet wird, damit nicht erneut aus Warnzeichen Tragödien werden, die ein Leben und ganze Familien für immer verändern. Möge diese Hoffnung wahr werden.

Jul 31, 2026

1hr 5 min


Er war erfolgreicher Medieningenieur in Los Angeles, sportlich, voller Energie – bis eine Impfung sein Leben zerstörte. Heute verbringt Kenny Carmody die meiste Zeit im Bett. Das Sprechen und Schlucken fällt ihm schwer. Während des Gesprächs mit Johannes Clasen fasst er sich immer wieder an den Hals, schluckt angestrengt, hält inne. Seine Geschichte ist die Geschichte eines Mannes, der einst in der internationalen Film- und Spieleindustrie Karriere machte – und heute gegen Schmerzen, Fatigue, motorische Probleme, Atemnot und den Verlust seines alten Lebens kämpft.
Eine steile Karriere
Schon beim Zuhören wird deutlich, wie sehr Kenny Carmody leidet. Immer wieder unterbricht ihn sein Körper. Das Schlucken fällt ihm schwer, fast jeder Satz kostet Kraft. Die chronische Dysphagie, eine schwere Schluckstörung, gehört inzwischen zu seinen belastendsten Symptomen. Essen führt zu Erstickungsanfällen, Atemnot und Panik.
„Das ist eine meiner Hauptproblematiken“,
sagt er leise.
Dabei führte der Deutsch-Amerikaner einst ein vollkommen anderes Leben. Carmody studierte in München. Nach dem Abschluss zum digitalen Medieningenieur für Spiele und Animationen arbeitete er zunächst in Bayern, später in Hamburg, London und schließlich in Los Angeles. Dort machte er Karriere in der Film- und Gamingindustrie, arbeitete als Principal 3D Artist für große Studios und Technologieunternehmen.
Er habe in seiner Karriere viel Glück gehabt und sich hochgearbeitet, erzählt er. Sein Beruf sei zugleich seine Leidenschaft und sein Hobby gewesen.
Auch körperlich war er immer aktiv gewesen. Er joggte, surfte am Strand, erledigte alles zu Fuß. Es war immer Teil seines Lebens, sich fit zu halten.
Dann kam Corona.
Der Druck zur Impfung
Die ersten Monate der Coronazeit erlebte Kenny Carmody in Los Angeles. Die Arbeitsbelastung war enorm. „Wir hatten 80-Stunden-Wochen, weil wir kurz davor waren, unser Produkt auf den Markt zu bringen“, erinnert er sich. Gleichzeitig
„kam diese Nachricht, dass wir bald in den Lockdown kommen, da ist irgendwie ein Virus und wir sollten uns vorbereiten für das was kommt.“
Anfangs machte er sich wenig Gedanken über Politik oder medizinische Fragen. Angst vor dem Virus habe er nicht gehabt, auch sei er immer schon skeptisch gegenüber Medikamenten und Schulmedizin gewesen. Doch mit der Zeit wuchs der Druck in seinem Umfeld.
„Das kam dann Stück für Stück, dass […] erläutert wurde, dass wir […] uns impfen sollten.“
Zunehmend verspürte er
„viel Druck von den Kollegen […], sich impfen zu lassen.“
Schließlich entließ ihn seine Firma, da er sich nicht impfen ließ. So musste er sich „mitten in der Coronazeit eine andere Firma suchen“. Da er in der Branche gut etabliert war, war dies jedoch kein Problem.
Seiner Skepsis gegenüber Medikamenten zum Trotz, kam es dennoch am 21. Juli 2021 zur ersten Impfung mit dem Impfstoff von Moderna. Der Druck im beruflichen Umfeld spielte dabei eine zentrale Rolle.
„Irgendwann kam dann so eine Gruppe von Menschen, die dann gesagt haben, die Leute, die da bleiben wollen in der Firma, die sollten sich doch lieber impfen.“
Hinzu kam die Sorge um seine schwer erkrankte Mutter in Deutschland, die er besuchen wollte. Ohne Impfung sei ein Flug nicht möglich gewesen, so Carmody. Zudem habe sich auch auf den Straßen von Los Angeles die Stimmung verändert. Menschen hätten Ungeimpfte beschimpft, ausgegrenzt und angegriffen.
„Der Druck wurde immer größer.“
Kollaps vor der Haustür
Nur zwei Tage nach der Impfung begannen die Beschwerden. Erst ein Brennen in den Händen, dann im ganzen Körper.
„Als würd mein Körper in Flammen sein“,
so beschreibt er seine Schmerzen.
Die Sonne, die er, der „Sonnenanbeter“, immer geliebt hatte, konnte er plötzlich nicht mehr ertragen. Seine Gefäße hätten gebrannt, erzählt er.
Am dritten Tag brach er nach dem Einkaufen vor seiner Haustüre zusammen. Nachbarn riefen den Rettungswagen. Im Krankenhaus wurde „ein sehr starker Zytokinsturm“ festgestellt – extrem hohe Entzündungswerte, die Ärzte damals bereits mit der Impfung in Verbindung gebracht hätten.
Kenny Carmody war einen Tag bewusstlos und „nicht ansprechbar“.
Insgesamt wurde er sechs Wochen im Krankenhaus behandelt. Dort erhielt er sogar eine zweite Impfung – weil er nach Deutschland zurückfliegen wollte. Heute nennt er dies
„eine sehr große Fehlentscheidung.“
Denn schon im Krankenhaus in Los Angeles habe er gemerkt, dass sein Körper „immer schwächer wurde“. Den Heimflug nach Deutschland verbrachte er schließlich im Krankenbett, begleitet von medizinischem Fachpersonal.
Diagnosen, Zweifel und psychische Zuschreibungen
Nach seiner Rückkehr nach Deutschland war er zunächst froh, wieder bei seiner Familie zu sein. Doch sein Zustand
„wurde Stück für Stück immer schlimmer.“
So begann eine jahrelange Suche nach Hilfe. Seine Symptome verstärkten sich, neue kamen hinzu: Steifheitsgefühle, Muskelschwäche, Atemnot, Nervenschmerzen, Schluckstörungen, schlaganfallartige Anfälle.
Es folgten zahlreiche Diagnosen: Multiple Sklerose, später der Verdacht auf eine unspezifische ALS, dazu Fibromyalgie, chronische Pankreatitis, MCAS, COPD, Neuralgien, Endotheliitis und schwere Dysphagie,
„eine […] Bandbreite an Diagnosen.“
Doch statt Akzeptanz habe er immer wieder Ablehnung seitens der Ärzte erlebt.
„Der erste hat gesagt, es ist eine paranoide Angststörung. Das gibt es ja gar nicht, dass es Impfschäden gibt.“
Ein Neurologe habe ihn kaum ausreden lassen.
„Nach drei Minuten hat er gesagt: Es gibt keine Impfschäden. Wollen Sie nicht eingestehen, dass Sie eine Schizophrenie haben?“
Für Carmody war das ein Schock:
„Dann hab ich gesagt: Ne, da läuft doch was ganz falsch.“
Zumal er Unterlagen aus den USA vorgelegt hatte, die den zeitlichen Zusammenhang seiner Beschwerden mit der Impfung dokumentierten.
Bis heute besitzt er nach eigenen Angaben keinen ICD-10-Code für einen Impfschaden.
„Das wurde vehement abgelehnt.“
„Ich musste selber mein Arzt werden“
Weil viele Ärzte ihm nicht helfen konnten oder wollten, begann Carmody selbst zu recherchieren.
„Ich musste selber mein Arzt werden.“
Er tauschte sich mit Ärzten und Wissenschaftlern im Ausland aus, besonders in den USA. Heute steht er in Kontakt mit internationalen Medizinern und Forschern wie Pierre Kory, Kevin McKernan und Peter McCullough. Besonders wichtig sei für ihn dabei die Beschäftigung mit der Mitochondrienbiologie geworden.
Nach Überzeugung seines behandelnden Arztes spielen die durch die Impfung codierten Spikeproteine, aber auch die Lipidnanopartikel eine entscheidende Rolle bei den Schäden. Denn diese würden die Mitochondrien schädigen – also jene Zellbestandteile, die für die Energieversorgung verantwortlich sind.
„Über 90 Prozent aller Krankheiten sind eigentlich eine Dysfunktion der Mitochondrien“,
sagt Carmody unter Berufung auf führende Mitochondrienforscher. Deshalb müsse bei der Behandlung unbedingt die Mitochondrienbiologie berücksichtigt werden.
Verlust des Vertrauens
Inzwischen hat Kenny Carmody das Vertrauen in die Schulmedizin vollends verloren.
„Mein Vertrauen in die Schulmedizin ist für mich nicht mehr vorhanden.“
Viele Medikamente und Therapien hätten seinen Zustand aus seiner Sicht eher verschlechtert. Immuntherapien, Infusionen und andere Behandlungen hätten keine Besserung gebracht.
Heute nimmt er nur noch wenige Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel. Stattdessen versucht er, sich an natürlichen Rhythmen zu orientieren.
Besonders wichtig seien ihm, dem ehemaligen Sonnenanbeter, das natürliche Sonnenlicht, die Natur und sein Glaube. Seiner Überzeugung nach habe sich der Mensch zu weit von den natürlichen biologischen Rhythmen entfernt.
„Was mir am besten tut ist dieses natürliche […] Gesetz der Natur, dass man den natürlichen zirkadianen Rhythmus, d.h. unsere biologischen Rhythmen Tag und Nacht einhält.“
Das frühe Morgenlicht, der zirkadiane Rhythmus, Ruhe und Natur seien für ihn zentral geworden.
„Was mir am meisten hilft, wenn ich mit der Sonne […] aufstehe.“
Zudem sei sein Glaube für ihn sehr wichtig. Er sei für ihn „mit der größte Halt“.
„Ich hab niemals gedacht, dass da so viel Böses dahinter ist.“
Im Gespräch spricht Kenny Carmody auch über seine Sicht auf die Pandemiepolitik. Sein „Weltschaubild“ habe sich durch die vergangenen Jahre grundlegend verändert. Sein „Bewusstsein, gegen welche Mächte wir hier kämpfen“ habe sich geschärft. Er ist überzeugt, dass die Impfkampagne militärisch begleitet wurde.
„Das wurde bewusst entwickelt.“
Dies sei heute öffentlich nachvollziehbar und auf der Website des Weißen Hauses nachzulesen. Corona sei „ein Gehorsamstest für einen zukünftigen ökonomischen Neustart“ gewesen, und gehöre zur Agenda des WEF. Kenny Carmody hofft, dass irgendwann „jemand zur Verantwortung gezogen wird“. Doch er befürchtet, dass er in seiner Lebenszeit keine Gerechtigkeit mehr erfahren werde.
Das Leid der Betroffenen
Wichtig ist ihm, den Fokus auf das Leid der vielen Betroffenen zu lenken.
„Es sind so viele Menschen in Not, so viele Menschen leiden. […] Die haben alle die gleichen Geschichten und werden alle von der Regierung, von den Ärzten […] vehement abgetan als psychisch krank.“
Zudem würden die Impfschäden geleugnet.
„Uns gibt es nicht, wir werden von allen Seiten zensiert, wir werden falsch diagnostiziert, wir werden abgestempelt und werden allein gelassen in unserem Sterben.“
Ein Gespräch am Limit
Dass Kenny Carmody dieses Interview überhaupt führen kann, grenzt für ihn an eine Ausnahme. Immer wieder muss er innehalten, schwer schlucken, Luft holen. Jeder Satz wirkt anstrengend und angestrengt. Da er normalerweise die meiste Zeit im Bett liegt, ist er dankbar, dass er es schafft, die Kraft aufzubringen, um dieses Gespräch zu führen. Nach dem Interview werde er sich wieder stundenlang ausruhen müssen, sagt er leise.
Doch trotz all seines Leides versucht er, an seiner tiefen Hoffnung festzuhalten.
„Meinen Schaden wird nur Gott und die Natur heilen, da bin ich mir sicher.“
Möge seine Hoffnung wahr werden.

Jul 28, 2026

25 min


Es ist ein spontaner Moment, der diesem Gespräch vorausgeht. Im griechischen Restaurant von Georgios in Bingen sitzt Alfred zunächst nur als Zuhörer im Raum. Mit ihm sind noch weitere Impfgeschädigte gekommen, um dem Gespräch zwischen dem impfgeschädigten Georgios und Johannes Clasen beizuwohnen. Spontan meldet Alfred sich zu Wort. Denn auch er möchte erzählen. Seine Geschichte der letzten Jahre drängt nach draußen – ungeplant, aber mit Nachdruck. So entwickelte sich spontan ein intensives, persönliches Gespräch zwischen Alfred Wilbert und Johannes Clasen.
Ein Leben voller Energie – vor der Impfung
Alfred war ein Mann, der mitten im Leben stand und viel gearbeitet hat. Er ist „gelernter Fleischer“ und hat später sein Geld als Zusteller bei der Rheinzeitung verdient. Nacht für Nacht war er unterwegs, betreute als Gebietsleiter einen großen Bereich, lief dabei pro Tour viele Kilometer.
„Ich hatte überhaupt keine Angst vor Corona“, sagt er. Sein Alltag fand draußen statt, im Außendienst. Die Pandemie schien weit weg. Und auch eine Impfung kam für ihn zunächst nicht infrage.
„Weil ich wusste, ich war fit.“
Fit – das bedeutete für ihn: belastbar, aktiv, körperlich stark. Ein Zustand, den er selbst sehr genau einschätzen konnte.
„Ich bin ja als Zusteller nachts 12 km gelaufen, von daher wusste ich, war ich fit.“
Der Druck wuchs
Doch Alfred ließ sich schließlich doch impfen. Jedoch nicht aus Überzeugung.
Der Druck kam schleichend – aus verschiedenen Richtungen. Vom Arbeitgeber, der nach dem Impfstatus fragte. Vom Hausarzt, der die Impfung empfahl. Und aus der Familie.
Der entscheidende Punkt war der Wunsch, die Schwiegermutter im Altenheim besuchen zu dürfen. So erhielt er im November und Dezember 2021 zwei Impfungen, jeweils mit dem Impfstoff von Moderna.
Der Moment, in dem sich alles veränderte
Nach der ersten Dosis verspürte Alfred kaum etwas. Eine Schwellung am Arm, sonst nichts. Wie gewohnt arbeitete er weiter. Doch nach der zweiten Impfung, die er an einem Werktag abends zwischen 17 und 18 Uhr erhielt, war es anders. Noch in derselben Nacht ging er wie gewohnt zur Arbeit. Doch am Morgen kippte sein Zustand plötzlich:
„Gegen Morgen ging das los: stechende Kopfschmerzen, dann hat sich alles gedreht.“
Ein Gefühl, das er nicht kannte.
„Das hatte ich nie.“
Alfred konnte sich nicht einmal hinlegen. Die Schmerzen, der Schwindel – sie ließen ihn nicht zur Ruhe kommen. Ihm war klar:
„Irgendwas stimmt im Kopf nicht.“
Seine Frau brachte ihn zum Hausarzt. Von dort ging es sofort ins MRT, weiter ins Krankenhaus – schließlich dann mit einem „mulmigen Gefühl“ in die Uniklinik Mainz.
Dort fiel schnell eine Entscheidung:
„Die haben direkt gesagt, wir können Sie nicht mehr heimlassen, wir müssen direkt eine OP machen. Sie haben einen Hirnwasserstau.“
Keine 24 Stunden nach Einweisung in die Uniklinik Mainz wurde Alfred operiert.
Zweifel, die keine sein dürfen
Nach dem Eingriff verspürte er zunächst Erleichterung, „eine wesentliche Entlastung.“ Doch andere Symptome blieben bestehen.
Ihm war klar, was die Ursache für seinen lebensbedrohlichen Zustand war:
„Mir war eigentlich direkt bewusst, dass irgendwas mit der Impfung nicht in Ordnung sein kann.“
Er sprach es aus – im Krankenhaus, später in der Reha. Immer wieder.
„Ich hab immer gesagt: Das war die Impfung.“
Doch er stieß auf Widerstand. Oder vielmehr: auf Ablehnung.
„Ich war felsenfest überzeugt. Das ist alles abgewiegelt worden.“
Alfred wurde nicht ernst genommen, fühlte sich behandelt „wie ein Simulant, wenn ich was von der Impfung erzählt hab.“  Zudem litt er weiterhin an belastenden Symptomen.
Ein Satz einer Ärztin aus einer späteren Untersuchung an der Uniklinik in Frankfurt brannte sich tief und dauerhaft in Alfreds Gedächtnis ein:
„Wenn Sie an dem Tag Ketchup gegessen hätten, dann wär’s vom Ketchup.“
Diese Bemerkung habe ihn „total niedergeschlagen“, erzählt er mit stockender Stimme.
Ein Kampf um Anerkennung
Erst zwei Jahre später, 2023, erfuhr Alfred erstmals echte Bestätigung, fühlte sich gesehen und ernst genommen. Denn in einer psychosomatischen Klinik sagte ein Psychologe zu ihm:
„An Ihrer Lebensleistung sehe ich, dass Sie kein Simulant sind.“
Damals brach Alfred in Tränen aus. „Was bei mir normalerweise nicht der Fall ist.“ Denn dieser Psychologe war der erste Therapeut, der ihm glaubte, dass seine anhaltenden Beschwerden von der Impfung stammen und seine Lebensqualität schwer beeinträchtigen.  
Dennoch ist Alfreds Weg zur Anerkennung lang – und teuer. Drei Ordner voller Befunde und Diagnosen hat er inzwischen gesammelt. Unzählige teure Arztbesuche und Therapieversuche hat er bereits hinter sicher.
„Das hat schon zigtausende von Euro verschlungen.“
Eine Diagnose aus Marburg, nach frustrierender zwei- bis dreistündiger Untersuchung, lautete schließlich:
„PostCovid nach Impfung“
Hinzu kommen weitere Befunde wie POTS, chronische Migräne, Entzündung der Nervengänge, Brainfog, chronische Sinusitis, Schmerzen, Verspannungen, Gelenkprobleme und ME/CFS.
„Ich hab zwei Seiten Diagnosen von der Krankenkasse zugeschickt bekommen. […] Vorher kerngesund.“
Ein Leben im Ausnahmezustand
Heute ist Alfred nicht mehr arbeitsfähig. Seit über vier Jahren ist er zu Hause. Der Antrag auf Erwerbsminderungsrente liegt beim Sozialgericht. Demnächst muss er wegen der Anerkennung des Impfschadens zum Gutachter.
Sein Alltag ist geprägt von Einschränkungen:
„Mittlerweile fast nur noch Couch oder im Garten relaxen. Mehr bleibt mir nicht. Körperliche Aktivität fast gar nicht.“
Früher war er ständig unterwegs, hatte zwei Hunde, war körperlich aktiv. Heute birgt jede Anstrengung, auch die Anstrengung dieses Gesprächs, das Risiko, einen Crash zu erleiden.
Selbst einfache Reize können zu einem Zusammenbruch führen, der Tage anhalten kann und von Schmerzzuständen und Brainfog geprägt ist.
Der Verlust des Vertrauens und das Gefühl des Alleingelassenseins
Was Alfred besonders getroffen hat, geht über seine massiven körperlichen Symptome hinaus.
Es ist der Verlust des Vertrauens. Denn:
„Mittlerweile vertraue ich den Ärzten nicht mehr so.“
So begann er, sich selbst zu informieren, las Studien, tauschte sich in Gruppen und Foren aus, und orientierte sich an anderen Betroffenen und Veröffentlichungen einzelner zugewandter und vertrauenswürdiger Ärzte wie Ralf Tillenburg, der sich verständnisoffen und intensiv mit Impfschäden auseinandergesetzt hat. Was Alfred jetzt an Medikamenten nimmt oder therapeutisch versucht, hat er sich selbst angelesen. Denn:
„Auf die Ärzte braucht man eigentlich nicht zu hoffen.“
Auch finanziell gerät Alfred unter Druck. Tausende Euro hat er bereits für Ärzte, Diagnosen, Therapien, Medikamente ausgegeben. Auf der anderen Seite haben er und seine Frau außer Mieteinnahmen und der Rente seiner Frau keine Einkünfte und müssen sich einschränken.
Sein juristischer Weg endete vorzeitig nach gewonnener erster Instanz – weitere juristische Schritte sind zu teuer, zu belastend, da die Rechtsschutzversicherung die weitere Kostenübernahme verweigert.
Unterstützung erhält er also kaum: weder finanziell, noch medizinisch noch juristisch.
„Man hat sich solidarisch gezeigt, und wird jetzt im Regen stehen gelassen“,
so sein resignierendes Fazit.
Ein Satz, der trifft und viel über seine Situation und die vieler anderer Geschädigter aussagt.
Zwischen Hoffnung und Verzweiflung
Psychisch ist Alfred durch seine Lebenssituation stark gezeichnet.
„Wenn man fünf Jahre zu Hause ist, früher topfit war, mobil war, […]  jetzt mittlerweile ans Haus fast nur gebunden bin. […] Am Anfang war ich kurz vorm Abdrehen.“
Heute hat er einen Psychologen, der ihm hilft und sich „auch mit der Thematik“ beschäftigt: „Top, der Mann“, so Alfred.
Durch ihn und den Aufenthalt in einer psychosomatischen Klinik hat er Selbstbewusstsein zurückerlangt und wieder etwas Hoffnung geschöpft. Sein Ziel ist, sein
„altes Leben zurückzugewinnen. Auch wenn es nicht mehr ganz so wird, wie es war. Aber vielleicht ein bisschen.“
So probiert er weiter aus, sucht weiter nach neuen Möglichkeiten, sich zu verbessern – Schritt für Schritt. Denn sein Wunsch für die Zukunft ist klar: Er möchte „wieder bisschen vorwärts“ kommen,
„dass ich bisschen Plus wieder in meinem Leben erfahre. […] Ich will ja irgendwann ein bisschen Leben noch haben.“
Es ist kein großer Anspruch. Kein radikaler Neubeginn. Nur der Wunsch nach ein bisschen mehr Normalität, ein bisschen mehr Leben.
Möge sein Wunsch in Erfüllung gehen.

Jul 24, 2026

1hr 13 min


Der Finanzwissenschaftler und prominente Corona-Kritiker Prof. Stefan Homburg zieht im Gespräch mit Johannes Clasen Bilanz über die Pandemiepolitik. Er spricht über den Verlust rechtsstaatlicher Verfahren, die manipulative Nutzung von PCR-Daten, die Rolle der RKI-Protokolle und der friedlichen Protestbewegungen, die Folgen für Kinder und Jugendliche sowie die aus seiner Sicht unzureichende Aufarbeitung der Impfschäden. Sein zentrales Anliegen: Die Ereignisse der Pandemiezeit müssen kritisch aufgearbeitet werden. Nur so könne verhindert werden, dass künftigen Generationen in den Schulbüchern ein verzerrtes Bild dieser Jahre vermittelt werde.
Die in diesem Podcast angesprochenen Grafiken finden Sie auf unserer Website:https://geimpft-geschaedigt-geleugnet.de/prof-stefan-homburg/das-wichtigste-ist-dass-dieser-pandemiemythos-nicht-in-die-schulbuecher-einsickert/
Vom „Verschwörungstheoretiker“ zum Zeitzeugen der Krise
Dr. Stefan Homburg ist Universitätsprofessor für Öffentliche Finanzen. Er war Berater von Politikern wie Theo Waigel, Gerhard Schröder und Christian Wulff und gehört seit Jahren zu den bekanntesten Stimmen der Corona-Kritik. Während der Pandemie wurde er häufig als Verschwörungstheoretiker bezeichnet. Heute blickt er gelassen auf diese Vorwürfe zurück.
„Das mit den Verschwörungstheorien läuft nicht mehr“,
sagt er. Wer 2020 die Verhältnismäßigkeit von Lockdowns infrage stellte oder vor den Risiken neuartiger Impfstoffe warnte, sei damals rasch mit dem Begriff „Verschwörungstheoretiker“ belegt worden. Heute sehe die Lage anders aus, da sich zu viele Kritikpunkte als richtig erwiesen hätten.
„Eigentlich bekommen wir jetzt eine Bestätigung dessen, was wir schon immer wussten.“
An die Stelle dieses Vorwurfs seien inzwischen andere Etiketten getreten. Sobald man irgendwie vom rot-grünen Mainstream abweiche, etwa bei Klima oder Krieg, würden einem
„irgendwelche auf Leugner endende Worte angeheftet.“
Der größte Schaden: Verlust von Rechtsstaatlichkeit
Auf die Frage nach den Schäden der Corona-Jahre benennt Homburg zunächst Grundsätzliches:
Der größte Schaden sei aus seiner Sicht „der Verlust an Rechtsstaatlichkeit“ gewesen. Denn was in den Jahren 2020 bis 2022 geschehen sei, habe sein Vertrauen in staatliche Verfahren erschüttert. Als Symbol für den Verlust rechtsstaatlicher Verfahren nennt er den „Regentag“ im November 2020. Die damals beschlossene Änderung des Infektionsschutzgesetzes bezeichnet er als „komplette Entsorgung des Rechtsstaats.“ Denn nur innerhalb weniger Stunden sei das Gesetz durch Bundestag und Bundesrat gegangen, vom Bundespräsidenten unterzeichnet und veröffentlicht worden.
Ähnlich kritisch sieht er die Ministerpräsidentenkonferenzen. Dort seien weitreichende Entscheidungen getroffen worden, die oft schon am nächsten Tag in Kraft traten. Für ihn steht dieses Vorgehen exemplarisch für die Geschwindigkeit, mit der in der Coronazeit Grundrechtseingriffe beschlossen und umgesetzt wurden.
Gleichzeitig betrachtet er den finanzpolitischen Kurswechsel als einen weiteren tiefgreifenden Schaden dieser Jahre. Schon früh, bereits im März 2020, hatte er von der „größten Umverteilungsaktion der Geschichte“ gesprochen, die aus seiner Sicht ein wesentlicher Grund für die bis heute anhaltende gesellschaftliche Spaltung ist. Durch die Maßnahmen sei eine Bevölkerungsgruppe, und zwar tendenziell die der wirtschaftlich Schwächeren, unterdrückt worden, „während es viele gibt, auch Lehrer mit Schülerallergien und dergleichen“, die von Schulschließungen und Homeoffice profitiert hätten.
Kinder als Verlierer der Pandemie
Deutlich wird Homburg auch, wenn es um Kinder und Jugendliche geht. Er erinnert an Schüler, die wegen fehlender Masken ausgegrenzt, „in die Ecke gestellt“ und „vor der ganzen Klasse lächerlich gemacht“ wurden. In den Schulen sei ein massiver Impfdruck aufgebaut worden. Viele Lehrer hätten die Kampagnen mitgetragen, einige wenige rühmliche Ausnahmen seien selbst unter Druck geraten und drangsaliert worden. Die Folgen dessen sehe man bis heute. Ein Blick in Kinder- und Jugendpsychiatrien genüge, um die Schäden, die angerichtet worden seien, zu erkennen. Diese Langzeitfolgen würden die Gesellschaft noch lange beschäftigen.
Besonders eindringlich formuliert er seine Erwartung über die Generation, die diese Zeit als Kinder erlebt hat:
„Die Jungen, die werden sich auch irgendwann, glaub ich, revanchieren für das, was man ihnen da angetan hat. Ich möchte nicht als 80-jähriger Herr Drosten im Pflegebett liegen, wenn da ein 40-jähriger Pfleger ist, der sich noch genau daran erinnert, was man ihm angetan hat, als er Kind war.“
RKI-Leaks und die lange Aufarbeitung
Für Homburg ist die Aufarbeitung kein einzelnes Ereignis, sondern ein fortlaufender, langer Prozess. Dabei misst er den friedlichen Protesten auf den Straßen eine zentrale Bedeutung zu. Hinzu kämen die Pfizer-Files sowie die Veröffentlichung der RKI-Protokolle, die, so Homburg, für die Aufarbeitung ebenfalls eine entscheidende Rolle spielen.
Die mehr als 4.000 Seiten der RKI-Unterlagen hat Homburg nach eigenen Angaben vollständig gelesen. Sein Eindruck: häufig hätten die Fachleute intern etwas anderes vertreten als das, was öffentlich kommuniziert wurde. Denn man sieht
„an sehr vielen Stellen, dass die Fachleute genau das Gegenteil dessen dachten, was nach außen hin Herr Wieler als RKI-Präsident und Sprachrohr der Regierung erzählte.“
Besonders bemerkenswert findet er Passagen, in denen Mitarbeiter darüber nachdenken, ob das Bundesgesundheitsministerium wegen sachfremder Weisungen verklagt werden könne. Am Ende hätten Juristen jedoch festgestellt, dass das Institut als Bundesoberbehörde weisungsgebunden sei, und daher „jeden Unsinn, der von Spahn und Lauterbach kam, einfach umsetzen“ musste.
Drei Graphiken, die jeder sehen sollte und die Einzug in die Schulbücher halten sollten
Drei Graphiken, auf die Homburg sich in seinen Ausführungen bezieht, spielen für seine Ausführungen eine zentrale Rolle. Aufgrund ihrer Wichtigkeit und Aussagekraft gehören sie für ihn in Schulbücher, weil sie eine Geschichte erzählen, die von Politik und Medien weitgehend ignoriert wird.
Abb. 1: Die SARI-Daten und der erste Lockdown
Quelle: https://www.stefan-homburg.de/images/Bild%201%20SARI.png
Die erste Darstellung zeigt schwere Atemwegserkrankungen (SARI), die zu Krankenhausaufenthalten führen. Diese SARI-Daten, die das RKI „fast taggenau“ erhalte, gebe es seit vielen Jahren, Vergleiche mit den Vorjahren seien also möglich. Daher sei verständlich, dass die Mitarbeiter des RKI im März 2020 „sehr entspannt waren. Die wussten, das geht zurück.“ Die SARI-Daten seien zusammen mit den Daten des DIVI-Intensivregisters die geeigneten Zahlen, um die Belegung der Krankenhäuser zu kontrollieren und so eine Überlastung der Kliniken und Intensivstationen zu verhindern. Die Erkrankungszahlen seien, das zeigen die SARI-Daten eindeutig, bereits „Wochen vor dem Lockdown gesunken“ und 2020 im Frühjahr genauso zurückgegangen „wie in jedem anderen Jahr.“ Erst als sie bereits „stark im Sinkflug“ waren, sei der Lockdown in Kraft getreten.
„Es kann also keiner erzählen, dass der Lockdown die wirklichen Erkrankungen gesenkt hat.“
Denn die eigentliche Krankheitslast habe sich, wie aus der Graphik deutlich hervorgeht, bereits vor den Maßnahmen reduziert.
Daher habe die Politik, um ihre Maßnahmen durchsetzen zu können, einen Trick angewendet, indem sie für die öffentliche Kommunikation die PCR-Daten, die für diesen Zweck nicht geeignet und zudem nicht aussagekräftig seien, verwendet habe.
„Solche PCR-Massentests hatte es vorher nicht gegeben, deshalb gab es auch keinen Vorjahresvergleich.“
Obwohl die Beobachtung der SARI-Daten und der Daten des DIVI-Intensivregisters stattfand, um eine etwaig drohende Überlastung der Kliniken und Intensivstationen zu erkennen, wurde seitens der Politik nur auf die PCR-Fälle geschaut:
„Wir richten jetzt unsere Lockdownstrategie danach aus.“
Die zweite Graphik beschäftigt sich mit den PCR-Inzidenzwerten.
Abb. 2: Die PCR-Inzidenzen und ihre Widersprüche
Quelle: https://www.stefan-homburg.de/images/Bild%203%20PCR-Inzidenz.png
Während bei einer Inzidenz von 40 der erste Lockdown beschlossen worden sei, habe man später bei Werten um 2.000 auf vergleichbare Maßnahmen verzichtet:
„Bei einer sogenannten 7-Tage-Inzidenz von 40 war die Lage so schlimm, angeblich, dass man den Lockdown verhängte. Den ersten. Bei einer Inzidenz von etwas über 100 im Frühjahr 2021 war die Sache so schlimm, dass man neben dem Lockdown, der schon seit November galt, zusätzlich Ausgangssperren und, besonders schlimm, automatische Schulschließungen“
beschloss.
„Man kann nicht bei 40 einen Lockdown verhängen und dann bei 2000 sagen, bleibt mal locker.“
Für Homburg ist dies ein „glasklarer“ Hinweis darauf, dass die Inzidenz politisch genutzt wurde, ohne dass ihr irgendeine Bedeutung zugemessen wurde. Denn im April 22 sei die Bundestagsabstimmung über die allgemeine Impfpflicht angestanden. Um die Abgeordneten maximal unter Druck setzen zu können, habe man die Inzidenz bis 2000 heraufgetrieben, und zwar dadurch, wie die Minister Lauterbach und Ministerin Köpping freimütig einräumten, dass man seit Frühjahr 2022 Schnelltests als PCR-Tests zählte. Nach dem Scheitern der allgemeinen Impfpflicht sei die PCR-Hysterie beendet worden.
Die dritte Grafik legt SARI-Daten und PCR-Zahlen übereinander.
Abb 2: PCR-Werte und Krankheitslage
Quelle: https://www.stefan-homburg.de/images/Bild%204%20Vergleich%20SARI%20PCR.png
„Man sieht auf den ersten Blick, dass kein Zusammenhang besteht.“
Dabei sei dieser von der Politik postulierte Zusammenhang für die gesamte Corona-Politik angeblich entscheidungsführend gewesen. Während die Verantwortlichen ihre Entscheidungen mit PCR-Zahlen begründeten, hätten die tatsächlichen Krankheitsdaten etwas vollkommen anderes gezeigt.
Dass er diese drei Graphiken in der Enquete-Kommission nicht zeigen darf, hält Homburg für einen gravierenden Mangel. Er hätte sie dem Gremium gerne präsentiert, um den Politikern die Realität vor Augen zu führen. Doch sei ihm dies von den Mehrheitsfraktionen nicht gestattet worden.
Kritik an der Enquete-Kommission
Trotz seiner Mitarbeit in der Enquete-Kommission dämpft Homburg die Erwartungen in dieses Aufarbeitungsgremium. Besonders die Redebegrenzung auf fünf Minuten empfindet er als Problem. Viele geladene Sachverständige würden Fragen ausweichen und darauf setzen, dass die Redezeit verstreiche.
Gleichzeitig glaubt er, dass die Auftritte führender Akteure eine unbeabsichtigte Wirkung entfalten. „Der Schuss“ sei bisher „klar nach hinten“ losgegangen. Denn viele Bürger würden in der Enquete-Kommission erstmals erleben, wie Politiker, Experten und Behördenvertreter auf kritische Nachfragen reagierten. Die einstigen Autoritäten wirkten dadurch angreifbarer.
„Die ganzen Helden, Buyx, Drosten, Spahn und jetzt zuletzt Schaade“
seien in den Anhörungen eingebrochen und hätten eine traurige Figur gemacht.
Verantwortungsübernahme und Bewusstseinsschulung
Auf die Frage nach Mitschuldigen nennt Homburg mehrere Berufsgruppen: Lehrer, Juristen und Ärzte hätten besonders häufig mitgemacht. Gleichzeitig lehnt er pauschale Bestrafungsforderungen ab, da die Gesellschaft sofort zusammenbrechen würde. Denn zu viele Menschen hätten die Maßnahmen unterstützt oder umgesetzt. Von Schuldirektoren über Gerichtspräsidenten bis zu Behördenleitern sei ein großer Teil der Gesellschaft beteiligt gewesen. Da könne man nichts mehr reparieren.
Entscheidend sei deshalb etwas anderes:
„Es muss mehr über die Bewusstseinsschiene gehen.“
Wichtiger als Strafverfolgung sei, dass jetzt nicht der Mythos einer Pandemie in die Schulbücher einsickert.
„Werden die nächsten Generationen der Schüler lesen, da war eine ganz schreckliche Pandemie, und durch kluges staatliches Handeln wie Lockdowns und Ausgangssperren und Impfpflichten ist es gelungen, die in den Griff zu bekommen? Das wäre natürlich verheerend.“
Impfschäden und die fehlenden Daten
Ein weiteres zentrales Thema für Prof. Homburg sind die Impfschäden, die aus seiner Sicht unzureichend aufgearbeitet werden.
Er betont, dass er sich bei der Größenordnung der Betroffenen kein abschließendes Urteil zutraue. Als gesicherte Daten nennt er lediglich, dass die Sterbezahlen im Jahr 2020 normal gewesen seien, während es in den Jahren 2021 und 2022 auffällig höhere Sterbezahlen gegeben habe.
Abb. 4: Wöchentliche Sterbefälle in Deutschland
Quelle: https://www.stefan-homburg.de/images/Bild%202%20Sterbezahlen.png
Tatsächlich Geschädigten gebe es sicher, er kenne die genaue Zahl aber nicht. Denn die Datenlage sei kritisch zu bewerten. Das Meldesystem des Paul-Ehrlich-Instituts sei wegen der „riesigen Untererfassungsquote“ unzureichend. Zudem werde oft „kein Zusammenhang mit der Impfung“ hergestellt. Mit Hilfe der Abrechnungsdaten der Kassenärzte, die seit Dezember 2020 ans RKI gemeldet werden müssen, wäre eine fundierte Analyse der Impfschäden möglich. Doch dabei stoße man auf Widerstand und beiße auf Granit:
„Das Paul-Ehrlich-Institut und das RKI geben diese Daten nicht heraus.“
Und die Enquete-Kommission wolle diese wichtigen Gesundheitsdaten qua Entscheidung der Mehrheitsparteien lieber gar nicht sehen.
Die Enquete-Kommission könnte das Thema aufarbeiten. Homburgs Erwartungen sind jedoch gering. Wörtlich sagt er:
„Von der Enquete-Kommission können Sie da gar nichts erwarten. Sobald das I-Wort fällt, Impfung, neigt die Vorsitzende dazu, zu unterbrechen oder das Mikro abzudrehen.“
Zwar habe es eine Sitzung zum Thema Impfung gegeben, weitere Anhörungen zu Impfungen oder Impfschäden seien jedoch nicht vorgesehen.
Kritisch sieht Homburg zudem den Umgang mit Betroffenen. Die Politik benenne Impfschäden in Long Covid um, um sich aus der Verantwortung zu stehlen. Dahinter vermutet er politische Motive und die
„Angst, dass da was hochploppt.“
Denn eine umfassende Aufarbeitung würde die Mehrheitsparteien enorm treffen. Nach seiner Einschätzung gibt es jedoch zu viele Betroffene, sodass das Thema nicht verschwinden könne:
„Es gibt zu viele Geschädigte.“
Um die Frage nach der Anzahl der Todesfälle durch Impfung transparent beantworten zu können, hätte Homburg es begrüßt, wenn der Impfstatus auf den Totenscheinen dokumentiert worden wäre. Dies sei jedoch „in einer Zeit, in der man in jeder Imbissbude seinen Impfstatus offenbaren“ musste, mit der Begründung, es sei „wegen Datenschutz“ nicht möglich, abgelehnt worden.
„Das zeigt einmal mehr die ganze Bösgläubigkeit jener, die sich heute unschuldig geben. Wären sie nämlich damals überzeugt gewesen vom Erfolg dessen was sie tun, dann hätten sie auch Transparenz geschaffen.“
Auch in den RKI-Protokollen seien schon sehr früh Hinweise auf Impfschäden und Impfnebenwirkungen zu finden. Scharf kritisiert er, dass die politische Debatte über eine allgemeine Impfpflicht dennoch weitergeführt wurde: Obwohl die gravierenden und zahlreichen Impfschäden den Behörden und Politikern im Frühjahr 21 bekannt gewesen seien, hätten sie ein Jahr später noch versucht, eine allgemeine Impfpflicht durchzusetzen.
Die gescheiterte Impfpflicht: Druck auf Abgeordnete und Widerstand aus der Bevölkerung
Homburg beschreibt die damalige politische Situation als von erheblichem Druck geprägt. Kurz vor der Abstimmung im Bundestag sei durch die wiederholte Präsentation der hohen Inzidenzzahlen gezielt Angst erzeugt worden.
„Weil es keinen Fraktionszwang gab, wollte man den Abgeordneten da nochmal richtig Bange machen.“
Warum die Impfpflicht letztlich scheiterte, erklärt Homburg mit mehreren Faktoren. Zum einen habe der Beginn des Ukraine-Krieges die öffentliche Aufmerksamkeit verschoben.
„Am Tag des Angriffs von Russland auf die Ukraine fielen die PCR-Zahlen aus der Tagesschau raus.“
Den entscheidenden Faktor sieht er jedoch in den bundesweiten, friedlichen Bürgerprotesten gegen die Corona-Maßnahmen. Die sogenannten Spaziergänge, „kleine Inseln des Widerstands“, hätten sich von Ostdeutschland aus über das ganze Land verbreitet und eine Größenordnung erreicht, die Politik und Behörden nicht mehr ignorieren konnten. Teilweise habe es hunderte Demonstrationen gleichzeitig gegeben.
„Der Staat wusste nicht mehr, wie er das beherrschen sollte.“
Für Homburg ist dies ein Beleg dafür, dass gesellschaftlicher Widerstand politische Entscheidungen beeinflussen kann. Die Spaziergänge hätten aus seiner Sicht wesentlich dazu beigetragen, dass die allgemeine Impfpflicht im Bundestag keine Mehrheit fand.
Kleeblatt, Bundeswehr und die Rolle des Militärs
Die oft zitierte Überlastung des Gesundheitswesens ist, so Homburg, in den offiziellen Zahlen nicht zu erkennen. Als Beispiel nennt er das sogenannte Kleeblatt-System. Während von einer dramatischen Lage die Rede gewesen sei, seien über dieses System lediglich 93 Patienten verlegt worden. Gleichzeitig gebe es in Deutschland jedes Jahr rund 600.000 reguläre Krankenhausverlegungen.
Auch die Rolle des Militärs bewertet er kritisch. Erst im Laufe der Pandemie habe er erkannt, wie stark das Militär darin verwickelt sei. Dessen Einfluss reichte von Krisenstäben bis zu internationalen Strukturen der Pandemiebekämpfung. So sei in Deutschland General Breuer der Chef des Corona-Krisenstabs der Bundesregierung und General Holtherm Wielers Vorgesetzter im Bundesgesundheitsministerium gewesen.
Eine Aufarbeitung über Generationen hinweg
Trotz aller Kritik glaubt Homburg nicht, dass die Corona-Jahre in Vergessenheit geraten werden. Die Lockdowns und der Impfzwang würden
„in 50 Jahren noch in den Köpfen sein.“
Die Zahl der Menschen, die die Ereignisse verdrängten, werde nach seiner Einschätzung mit der Zeit kleiner. Gleichzeitig würden immer mehr Menschen die Vorgänge kritisch betrachten.Die Justiz werde leider nur eine begrenzte Rolle spielen. Die eigentliche, dringend notwendige Aufarbeitung entstehe durch öffentliche Debatten, durch Dokumente wie die RKI-Protokolle, durch friedliche Bürgerproteste und durch die Erinnerung derjenigen, die die Zeit erlebt haben.
Am Ende des Gesprächs bleibt der Eindruck eines Mannes, der trotz der Schärfe seiner Kritik nicht verbittert wirkt, sondern pointiert, humorvoll, ironisch und manchmal provokant argumentiert. Man spürt, dass er von der vollständigen Aufklärung des Unrechts der Coronajahre überzeugt ist, auch wenn sie noch viele Jahre dauern wird.
So hoffen wir mit ihm, dass die Aufarbeitung des Geschehenen mit der nötigen Offenheit, Ehrlichkeit und Transparenz geführt wird. Mögen kommende Generationen aus den Erfahrungen lernen können, damit sich vergleichbare Entwicklungen nicht wiederholen.

Jul 21, 2026

24 min


Johannes Clasen im Gespräch mit dem griechischen Gastwirt Georgios Tziaras – eine Geschichte über einen Traum, der kurz vor seiner Erfüllung zerbrach, und über einen Mann, der trotz schwerer Krankheit weiterkämpft.
Ein Leben für die Küche – und ein Traum vom Stern
Georgios Tziaras stand sein ganzes Leben lang in der Küche. In Kiel geboren, in Deutschland aufgewachsen, lebt er seit 1988 in Bingen am Rhein. Gemeinsam mit seinen Eltern und seiner Frau führt er ein griechisches Restaurant – ein Familienbetrieb, in dem er nicht nur mitarbeitet, sondern seine Leidenschaft gefunden hat.
Er ist gelernter Koch, hat sich im eigenen Restaurant zum Spitzenkoch entwickelt. Der nächste Schritt war längst geplant: die Übernahme des elterlichen Betriebs, der Meistertitel, der große Durchbruch.
„So war der Plan.“
Alles deutete darauf hin, dass dieser Plan aufgehen würde. Das Restaurant war auf dem Weg nach oben, die Anerkennung wuchs – sogar ein Michelin-Stern stand in greifbarer Nähe. Heute ist davon nur noch ein schmerzhafter Gedanke geblieben.
Der Moment, der alles veränderte
Die Entscheidung zur Impfung fiel nicht aus Überzeugung, sondern aus Druck.
„Um die Wahrheit zu sagen, […] wir waren mehr oder weniger damals in der Gastronomie gezwungen.“
Er erinnert sich an eine bedrückende Situation, an den massiven Druck seitens eines Behördenmitarbeiters, der ihn im Restaurant aufsuchte:
„Geh und lass dich impfen, sonst […] . […] Das war das, was der gesagt hat.“
Georgios selbst hatte keine Angst vor Corona und wollte sich daher eigentlich nicht impfen lassen.
„Aber der Zwang war so groß, dass es keine andere Möglichkeit gab.“
Nach den ersten beiden Impfungen arbeitete er weiter, erkrankte dann an Corona. Doch er erholte sich komplett und konnte wieder
„gut arbeiten. […] Ich war wieder am Start gewesen, um Gas zu geben.“
Dann kam die dritte Impfung. Eigentlich wollte er sich beim Hausarzt nur ein Rezept für Blutdruckmedikamente holen, doch der Arzt empfahl trotz Georgios‘ Bedenken dringend den Booster. Er wolle ihm das Leben retten, so die Aussage des Mediziners, da er doch vor über 20 Jahren eine Herzmuskelentzündung gehabt habe.
Wenige Minuten nach der Impfung brach Georgios zusammen:
„Keine Viertelstunde später […] bin ich im Betrieb zusammengeklappt. […] In der Küche zusammengeklappt vor meinen ganzen Arbeitskollegen.“
Ein Moment, der sein ganzes Leben verändern sollte.
Ein Körper, der nicht mehr funktioniert
Was folgte, ist ein körperlicher Zusammenbruch: tagelanges hohes Fieber, Herzrasen, Blutdruckentgleisungen, Schmerzen, völlige Erschöpfung. Bis heute leidet er an chronischer Fatigue, ME/CFS, mitteldepressiven Störungen, einem stark angegriffenen zentralen Nervensystem.
Aus einem leistungsstarken Spitzenkoch wurde ein Mensch, der seinen Alltag bis heute kaum noch bewältigen kann.
„Es besteht keine Kraft, es besteht keine Möglichkeit […] kleine Aufgaben zu erledigen.“
Selbst Gespräche wie dieses sind für ihn eine große Belastung, sodass er danach
„einfach nur bettlägerig liegt.“
Ein Versuch, in die Küche zurückzukehren, scheiterte nach wenigen Minuten:
„Nach 20 Minuten nicht mal, hat alles nachgelassen.“
Er litt an Schwindel und Übelkeit,
„man ist wie am Zusammenbruch, man hält sich nur fest an den Küchenablagen, anstatt dazustehen und seine Arbeit machen zu können.“
In diesen Situationen bleibt ihm nur noch der Rückzug:
„Das ist dann der Punkt […] wo ich dann die Flucht ins Bett suche.“
Sein größter Wunsch ist einfach – und gleichzeitig unerreichbar geworden: wieder im eigenen Restaurant zu arbeiten.
„Es besteht keine Möglichkeit, leider.“
Wenn selbst Schlaf keine Erholung mehr bringt
Die Krankheit nimmt ihm nicht nur die Arbeit, sondern auch jede Regeneration.
„Man ruht sich nicht aus bei dieser Krankheit, das ist die Wahrheit.“
Selbst nach stundenlangem Schlaf bleibt die Erschöpfung:
„Der Körper schläft in Wirklichkeit nicht, weil […] einer der Nerven der zentralen Nervensysteme, in diesem Fall der Sympathikus, […] der ist ja gestört […] und der ist dann nur auf […] Flucht eingestellt oder […] Kampf.“
Erholung sei für ihn daher nicht möglich.
Ein normales Leben kann Georgios nicht mehr führen. Jeder Tag ist begrenzt auf wenige Stunden Energie – wenn überhaupt.
„Es ist, […] als ob alle Wege gesperrt sind.“
Abhängigkeit statt Selbstständigkeit
Besonders schwer wiegt für ihn der Verlust seiner Selbstständigkeit.
Die Bürokratie, die Anträge, die medizinischen Unterlagen, der „juristische Weg“ – all das kann er nicht mehr allein bewältigen und ist auf die Hilfe seiner Eltern und seiner Frau angewiesen. Ohne seine Familie
„hätte ich das vielleicht alleine erst gar nicht geschafft.“
Die Menge an Dokumenten überfordert ihn. Gleichzeitig wächst seine Angst um die Zukunft.
Der Kampf um die richtige Codierung
Zu der körperlichen Belastung kommt ein weiterer Kampf – der um Anerkennung als Impfgeschädigter. Georgios ist überzeugt, an Post-Vac zu leiden. Doch in den Reha-Berichten wird in den ICD-Codierungen immer wieder etwas anderes festgehalten: Post-Covid.
„Diesen Krieg mach ich leider mit durch und der tut mich auch sehr sehr beanspruchen.“
Er fühlt sich seitens der Ärzte nicht gehört, nicht ernst genommen:
„Die kommen mir vor, als versuchen sie den ganzen Fall zu verschleiern und mir nicht die ICD 12.9 Nummer rauszugeben, […] dass da nach der Impfung […] es […] passiert ist.“
Auch sein Hausarzt äußert sich nicht:
„Er will am liebsten schweigen darüber.“
Doch Georgios kämpft weiter – um die Wahrheit in seinen Unterlagen:
„Ich kämpfe um eine Anerkennung, um die Wahrheit, in diesem Dokumentenchaos.“
Denn für ihn ist klar:
„Die Wahrheit ist in diesem Fall: Jawohl, Post Vac und nein, kein Post Covid.“
Zwischen Hoffnung und Verzweiflung
Reha-Maßnahmen, die ihm verordnet wurden, haben nicht geholfen – im Gegenteil. Die zweite Reha verschlechterte seinen Zustand sogar, da sie ihn körperlich überforderte:
„Ich glaub, ich bin hier falsch“,
war sein Eindruck, als er die Liste der zu absolvierenden Anwendungen sah. Auch Medikamente haben ihm nicht geholfen:
„Gar nichts. […] Nichts hilft.“
Was bleibt, ist ein langer, unsicherer Weg – medizinisch und juristisch.
Und trotzdem: Georgios gibt nicht auf. Er will, dass die Wahrheit ans Licht kommt. Dafür kämpft er mit all der Kraft, die ihm noch geblieben ist.
Ein Traum, der geblieben ist
Das Restaurant läuft weiter – getragen von seiner Familie. Die Gäste wissen, was passiert ist.
„Ja, die wissen es alle.“
Und irgendwo ist er noch da, sein Traum vom Michelin-Stern. Das ist sein Ziel. Doch gleichzeitig beschreibt er, was er verloren hat: Denn er spürt, dass ihm der Boden „unter den Füßen weggeschmettert“ wird. Denn Hilfe sieht er „von nirgendwoher.“
„Ich habe den Kampf noch nicht aufgegeben“
Trotz allem hält sich Georgios an etwas fest: Hoffnung und den Halt seiner Familie. Mitfühlend denkt er an andere Betroffene, an Menschen ohne familiäre Unterstützung. An diejenigen, die aufgeben. Er hat Kontakt zu vielen anderen Geschädigten. Es sei wichtig, da
„Zusammenhalt zu finden, dass sie den Kampf nicht aufgeben.“
Denn der Weg als Impfgeschädigter ist hart und schwierig.
Für sich selbst formuliert er klar:
„Ich habe den Kampf noch nicht aufgegeben.“
Ein Satz, der alles sagt, was ihm geblieben ist. Möge er seinen Kampf gewinnen.

Jul 18, 2026

54 min


Johannes Clasen im Gespräch mit Sabine Mertens und Katja Lohrum – zwei Frauen, die durch ein ähnliches Schicksal, das ihr Leben unwiderruflich verändert hat, verbunden sind. Im Rahmen der Reihe „geimpft, geschädigt, geleugnet“ sprechen sie über Verlust, Verzweiflung, einen täglichen Kampf und das Gefühl, mit all dem allein gelassen zu sein. Während des Gesprächs ringen beide immer wieder mit den Tränen, suchen gegenseitig Halt, halten sich an den Händen. Sie erzählen ihre Geschichten, weil sie gehört werden wollen. Und am Ende ist es auch Johannes Clasen selbst, der sichtbar mit den Emotionen kämpft und um Fassung ringt.
Ein Gespräch, das Mut erfordert
Schon zu Beginn liegt eine spürbare Schwere im Raum, die sich durch das gesamte Gespräch ziehen wird. Denn dieses Gespräch verlangt allen Beteiligten viel ab. Johannes Clasen sitzt Sabine Mertens und Katja Lohrum gegenüber, zwei Frauen, die sich ihre Lebenswege nie so ausgesucht hätten und die nun durch ein ähnliches Schicksal miteinander verbunden sind. Nebenan liegt Katjas schwerst pflegebedürftiger Mann. Während des gesamten Interviews ringen beide häufig mit den Tränen. Immer wieder suchen ihre Blicke einander, immer wieder greifen sie nach der Hand der anderen und halten sich gegenseitig fest, um sich durch dieses Zeichen der Verbundenheit Kraft zu geben. Denn es ist ein Gespräch, das Mut erfordert – Mut, den eigenen Schmerz auszusprechen und öffentlich zu machen. Für sich, für ihre Angehörigen und für all jene, die unter ähnlichen Schicksalen leiden.
Sabines Geschichte: Der Verlust ihres Sohnes Pascal
Sabine beginnt zu erzählen, ruhig und gefasst. Doch ihre brüchige Stimme verrät schnell, wie viel Kraft sie dieser Bericht kostet. Ihr Sohn Pascal, damals Mitarbeiter in einem Impfzentrum, ließ sich im Juni 2021 erstmalig impfen, in einer Zeit, in der das Vertrauen in eine angeblich nebenwirkungsfreie Impfung und der Wunsch nach Normalität viele Entscheidungen bestimmten. Was zunächst als Schutz gedacht war, entwickelte sich jedoch innerhalb weniger Wochen zu einem schleichenden körperlichen Verfall, der sich nicht mehr aufhalten ließ.
Nach einer schweren Grippe, an der er kurz nach der Impfung erkrankte, kehrte Pascal in den Alltag zurück und erhielt im Juli die zweite Impfung. Bald zeigten sich erste Anzeichen einer ernsten Erkrankung: zunehmender Kraftverlust, Muskelzucken, Schwierigkeiten beim Gehen. Was zunächst wie einzelne, vielleicht erklärbare Symptome wirkte, fügte sich immer mehr zu einem Bild, das von Woche zu Woche erschreckender wurde. Zwei Rehabilitationsmaßnahmen brachten keine Besserung – im Gegenteil.
„Er ist mit dem Stock rein und kam mit dem Rollator wieder raus nach drei Wochen“,
erinnert sich Sabine an die erste Reha. Man spürt, wie sich hinter diesem Satz eine Entwicklung verbirgt, die sich kaum begreifen oder in Worte fassen lässt. Wenig später verschlechterte sich sein Zustand erneut so drastisch, dass eine zweite Reha beantragt wurde.
„Da ging er mit einem Rollator rein und kam mit einem Rollstuhl wieder raus.“
Der körperliche Abbau setzte sich unaufhaltsam fort, während sein Geist klar und wach blieb:
„Pascal konnte dann nachher [….] mit seinen Händen gar nichts mehr machen. […] Aber er konnte sprechen, er war bei geistigem klaren Verstand.“
Für Pascal ein Zustand, der für ihn zunehmend unerträglich wurde. Sabine ringt mit den Worten, als sie beschreibt, wie ihr Sohn schließlich das Gespräch mit ihr suchte:
„Dann hat er eines Tages aber das Gespräch mit mir gesucht und hat mir mitgeteilt, dass er nicht mehr leben möchte, dass das so für ihn nicht mehr lebenswert ist.“
Für eine Mutter ist es ein Moment, der kaum auszuhalten ist – und doch spricht aus Sabines Worten auch ein tiefes Verständnis:
„Und so sehr mein Herz auch bricht, ich konnte ihn verstehen. Ich würde auch so nicht leben wollen.“
Pascal, der einst lebensfroh und aktiv gewesen war, erkannte sich selbst in diesem Zustand nicht mehr wieder.
„Das ist nicht das Leben, das er gelebt hat“,
sagt sie leise.
„Das wollte er so nicht.“
Nach langem Kampf und langer Suche war schließlich ein Arzt bereit, ihm zu helfen:
„Natürlich, das ist mein Kind, das möchte ich nicht. […] Aber ich war und bin es immer noch, dem Arzt unglaublich dankbar, der ihm geholfen hat. […] Pascal hat Freudentränen geweint, als der Arzt gesagt hat, er hilft ihm und er erlöst ihn.“
Spätestens hier ist es kaum noch möglich, die eigene Fassung zu bewahren – Sabine kämpft sichtbar mit den Tränen, während sie diese letzten Erinnerungen teilt. Am 24. Juli 2025 wurde Pascal schließlich von seinem Leiden erlöst.
Katjas Geschichte: Leben im Ausnahmezustand
Neben Sabine sitzt Katja, die ihre Geschichte aufmerksam verfolgt und immer wieder zustimmend nickt, als erkenne sie in vielen Momenten Parallelen zu ihrem eigenen Leben. Als sie schließlich selbst zu sprechen beginnt, braucht sie einen Moment, um ihre Gedanken zu sammeln:
„Ich muss grad mal durchatmen“,
sagt sie und trinkt noch einen Schluck Wasser.
Ihr Mann Jan war, wie sie beschreibt, ein außergewöhnlich fitter, sportlicher Mensch, voller Energie und Lebensfreude.
„Ich hab noch nie so einen fitten Menschen kennengelernt wie ihn“,
sagt sie, und in diesem Satz liegt bereits die Tragik dessen, was folgen sollte. Denn nach der dritten Impfung, verabreicht in einem Fitnessstudio im Dezember 2021, veränderte sich sein Zustand innerhalb kurzer Zeit: Muskelzucken, Unsicherheiten beim Gehen, wiederholte Stürze – zunächst schwer einzuordnen, dann immer alarmierender.
„Er ist ständig gestolpert“,
erzählt Katja. Auf dem Fußballplatz fragten sich Zuschauer und Trainer,
„warum er ständig fällt: Was ist denn mit dem Lohrum los?“
Ratlose Blicke, Fragen, auf die es zunächst keine Antworten gab. Der ortsansässige Neurologe brachte die Impfung ins Spiel, meldete Jans Fall ans Paul Ehrlich Institut. In der Klinik wurde schließlich eine Diagnose in den Raum gestellt, die Katjas und Jans Leben in den Grundfesten erschütterte: ALS.
„Man hat sich alles ausgemalt, außer so eine schlimme Diagnose. […] Das war eine Woche vor unserer Hochzeit. Ich war zu dem Zeitpunkt schwanger mit unseren Zwillingen. […] Die ganze Welt ist zusammengebrochen“,
sagt sie unter Tränen. In diesem Moment verdichteten sich Hoffnung und Verzweiflung, Zukunftspläne und existenzielle Angst.
„Man macht sich direkt Gedanken: Wie lange haben wir Zeit? Wie wird der Verlauf sein?“
Ein gemeinsames Leben als Familie zerbricht, bevor es richtig beginnen konnte.
Jans Krankheitsverlauf ist schnell und unbarmherzig. Vom ersten Humpeln zum Rollstuhl, hin zur vollständigen Bettlägerigkeit, Pflegebedürftigkeit und der Angewiesenheit auf einen Sprachcomputer dauert es nicht lange. Innerhalb kurzer Zeit verliert Jan immer mehr Fähigkeiten, bis er schließlich vollständig auf Hilfe angewiesen ist.Katjas und Jans gemeinsame Kinder, Zwillingsmädchen, „kennen ihren Papa gar nicht gesund“, sagt Katja. Sein älterer Sohn aus erster Ehe hingegen kann sich an einen „gesunden, fitten Papa“ erinnern. Für ihn ist der deutliche Unterschied zu dem „pflegebedürftigen Papa“ schwer zu ertragen. All das lässt erahnen, welche Dimension diese Krankheit für die gesamte Familie hat.
Trotz allem bleibt Jan lange geistig präsent, trifft Entscheidungen, kommuniziert mit technischer Hilfe, unterstützt seine Familie, so gut es ihm möglich ist.
„Er hat trotz seines Gesundheitszustandes mir immer zur Seite gestanden. Er war immer mein Kopf, der mit mir alles zusammen entschieden hat. Und wir haben alles zusammen geregelt. Er war unser Finanzminister, der alles übernommen hat. […] Das war so ein Zusammenspiel“,
beschreibt Katja ihre besondere innige Verbindung. Doch auch diese Form der Nähe wird ihnen schließlich genommen, als eine schwere Lungenentzündung im Oktober 2025 zu Komplikationen und einer Reanimation führt.
„Seitdem ist Jan im Prinzip in einem vegetativen Zustand, weil er durch die Reanimation einen noch zusätzlich hypoxischen Hirnschaden erlitten hat. […] Deswegen ist jetzt aktuell keine Kommunikation möglich. Wir haben keinen Zugang zu ihm.“
Die Brutalität dieser Worte liegt schwer im Raum. Dennoch hofft Katja, ihn durch weitere Therapien zu stabilisieren, um ihn
„aus diesem Zustand rauszuholen. […] Aber ob das möglich ist, das steht alles leider in den Sternen.“
Ihr Mann sei ein Kämpfer, der durch Gespräche und seine Kinder immer wieder zu dem Punkt gekommen sei, „dass er kämpfen möchte.“ So hält sie sich an der Hoffnung fest,
„dass wir ihn vielleicht nochmal in einen aktiveren Zustand bekommen. Aber das bleibt abzuwarten. Wir müssen jeden Tag von Tag zu Tag leben und schauen, wie es ist.“
Zwei parallele Schicksale – eine Realität
Im Verlauf des Gesprächs wird immer deutlicher, wie sehr sich die Erfahrungen der beiden Frauen gleichen, obwohl ihre Geschichten unterschiedlich verlaufen sind. Als Sabine von Jans Zustand hört, sagt sie leise:
„Das ist für mich wie ein Dé­jà-vu. Wenn ich Jan sehe, sehe ich Pascal da liegen.“
In diesem Moment verschwimmen Vergangenheit und Gegenwart, der Schmerz des Verlustes und der Schmerz der Gegenwart:
„Es fällt mir unfassbar schwer“,
sagt sie tief betroffen.
Beide Frauen sprechen jedoch nicht nur über Krankheit, Schmerz und Verlust, sondern auch über einen Alltag, der von bürokratischen Hürden, Kämpfen mit Behörden und einem Gefühl der Ohnmacht geprägt ist.
„Das macht mich auch so unglaublich wütend, weil ich einfach nicht verstehen kann, dass man den Betroffenen einfach nicht hilft.“
Katja ergänzt:
„Man wartet vergeblich auf Hilfe, die versprochen wird, aber die einfach nicht kommt.“
„Was soll man denn alles bringen?“,
fragt Sabine, während sie von Aktenordnern, Gutachten und immer neuen Anforderungen berichtet.
„Den Angehörigen geht mal die Kraft aus. Man reibt sich auf für die Betroffenen. […] Und muss aber gleichzeitig gegen unfassbar viele Ämter kämpfen. Das zermürbt einen.“
Katja ergänzt ihre Erfahrungen mit Gerichtsverfahren, die sie als ernüchternd und entmutigend erlebt hat:
„Es wurde ganz ganz schnell abgefertigt.“
Keine 15 Minuten habe die Verhandlung am Oberlandesgericht in Koblenz gedauert. Ihr Mann, der auf eigene Kosten mit einem Krankentransport anreiste „wurde erst gar nicht angehört.“  Man spürt die Enttäuschung über ein System, das ihren Erwartungen nicht gerecht wurde und sie im Stich lässt.
„Ich war schockiert.“
„Man ist nur auf sich selbst gestellt“
Der Satz, der diesem Gespräch seinen Titel gibt, fällt nicht zufällig, sondern beschreibt die gemeinsame Erfahrung beider Frauen in aller Deutlichkeit:
„Man ist nur auf sich selbst gestellt.“
Es ist ein Gefühl, das sich durch alle Bereiche ihres Lebens zieht und die medizinische Versorgung, den Umgang mit Behörden, den täglichen Kampf um Unterstützung und Anerkennung und den Verlust eigenen Lebens betrifft. Denn:
„Man ist 24 Stunden eigentlich in Gedanken nur bei den Betroffenen.“
„Wir waren nie Impfgegner“,
sagt Katja, und auch Sabine macht deutlich, dass sie ursprünglich Vertrauen in das offizielle Narrativ hatte. Heute ist beiden klar, dass die Erkrankungen des Sohnes und Ehemannes mit der angeblich nebenwirkungsfreien Impfung zusammenhängen. Beide sind mit vielen anderen Impfgeschädigten und deren Familien vernetzt. Die Zunahme schwerer neurologischer Erkrankungen wie ALS, insbesondere bei jungen sportlichen Männern, sei auffällig und schockierend, berichten beide:
„Es häuft sich.“
Sabines und Katjas Enttäuschung über den Staat und die Regierung ist groß, gepaart mit dem Gefühl, mit den Folgen ihres Schicksals allein gelassen zu werden. Man stehe alleine da „vor diesem Scherbenhaufen“ und müsse schauen, wie man Kosten deckt, das Haus hält.
„Es ist einfach unglaublich.“
Aus diesem Grund ist Katja trotz der Doppelbelastung durch Pflege und der Betreuung der kleinen Zwillinge als Lehrerin tätig.
„Es muss einfach Geld rein.“
Sehr dankbar ist sie für die Hilfe von Familie, Freunden und Spendern.
„Ansonsten ist das unmöglich alleine zu schaffen.“
Dieser Satz zeigt, wie sehr sie auf diese Hilfe aus ihrem privaten Umfeld angewiesen ist.
Ein Gespräch, das Spuren hinterlässt
Als das Gespräch sich dem Ende nähert, ist die emotionale Belastung für alle Beteiligten spürbar. Nicht nur Sabine und Katja kämpfen mit den Tränen. Auch Johannes Clasen ringt sichtbar mit den Emotionen.
Sabine und Katja bedanken sich abschließend dafür, dass sie ihre Geschichten erzählen durften, dass ihnen zugehört wurde.
„Danke, dass wir unsere Stimme auch einfach hörbar bekommen und dass uns Menschen auch hören können“,
sagt Katja.
Die beiden Frauen stehen auf, umarmen sich, halten sich fest, geben sich Halt. Halt für all das, was war und was noch vor ihnen liegt.
Was bleibt, ist mehr als ein Interview – es ist ein Einblick in zwei Leben, die aus der Bahn geraten sind. Es ist das eindringliche Zeugnis zweier Frauen, die trotz oder wegen des großen Schmerzes und der Tragik ihrer Schicksale den Mut gefunden haben, ihre Stimme zu erheben. Getrieben von dem Wunsch, gehört zu werden – für sich, für den Sohn, für den Ehemann und Vater und für die unzähligen anderen Betroffenen.
Möge ihr Mut zu sprechen nicht ungehört verhallen. Möge aus dem Zuhören Verstehen und Anerkennung werden, damit ihr Leid nicht länger im Schweigen und der Unsichtbarkeit verschwindet.

May 30, 2026

30 min


Das Interview wurde erstmalig am 09. 04. 2025 veröffentlicht.
Der ehemalige Bodybuilder und Personaltrainer Thomas Weigand im Gespräch mit Johannes Clasen über ein Leben, das sich nach der Corona-Impfung radikal verändert hat. Über Schmerzen, Angst und Isolation – und den verzweifelten Versuch, gehört zu werden.
Ein Leben in Kontrolle
Thomas Weigand war einmal ein Mann, der seinen Körper kontrollierte.
„34 Jahre nonstop Krafttraining.“
120 kg bei 6-7% Körperfett. Ein Leben im Fitnessstudio, geprägt von Disziplin und Stärke. Als selbstständiger Personaltrainer arbeitete er mit Menschen, auch in einem Studio, das an ein Pflegeheim angeschlossen war. Dort half er seinen Kunden bei Gewichtsproblemen, Depressionen, Essstörungen. Er war der, der andere motivierte und sie aufrichtete. Er führte ein Leben, das nach vorne ging.
Die Entscheidung
Dann kam die Pandemie. Und mit ihr eine Entscheidung, die sein Leben für immer verändern sollte.
„Ich hab mir einerseits Panik machen lassen“,
sagt er heute. Die Bilder aus Italien, die Bilder aus Intensivstationen hat er „als bedrohend gesehen.“ Auch beruflich schien es ohne Impfung nicht mehr weiterzugehen – vor allem wegen der Arbeit im Pflegeheim. So ließ er sich im Januar 2021 impfen. Drei Tage später reagierte sein Körper „vehement“ mit Schmerzen im linken Bein.
Der körperliche Zusammenbruch
Was zunächst diffus begann, wurde schnell unerträglich. Die Schmerzen im Bein wurden immer schlimmer. Wochenlang schleppte er sich noch zur Arbeit – bis er nicht mehr laufen konnte. Seine Zehen wurden rot, platzten auf. Im Krankenhaus folgte dann die erschreckende Diagnose: ein Arterienverschluss, der als Notfall eingestuft wurde. Eine Operation folgte umgehend.
Für ihn war der zeitliche Zusammenhang zur Impfung offensichtlich. Für die Ärzte nicht.
„Dann hieß es: Nein, keinesfalls.“
Vielmehr wurde die Verdachtsdiagnose HIV in den Raum gestellt. Der Test war negativ. Thomas wurde zur zweiten Impfung geraten.
Was dann folgte, war ein körperlicher Absturz. Nach der zweiten Impfung „gingen vehemente Hautprobleme los.“ Thomas bekam Milien und Abszesse am ganzen Körper. „Ich hab ausgesehen wie ein Streuselkuchen.“ Die Haut musste chirurgisch behandelt werden, Narben blieben.
Dann kamen Schmerzen –
„sehr sehr starke Schmerzen am ganzen Körper.“
Er konnte kein Messer mehr halten, keine Tür mehr aufschließen. Selbst trinken wurde wegen der Schmerzen in den Fingern zur Qual. Der Mann, der einst „der Strahlemann, der Lebemann“ gewesen war, war plötzlich hilflos. Arbeiten war unmöglich.
Nicht gehört werden
Als er in Kliniken ansprach, dass die Impfung die Ursache sein könnte, wurde er abgewiesen und „saudumm angemacht.“ Man sprach von
„wahnhaften Hypochondrien“.
Menschen, die sich einbilden würden, impfgeschädigt zu sein, seien Verschwörungstheoretiker,
„die auf nicht mehr arbeitsfähig machen wollen.“
Die dritte Impfung
Trotz seines schlechten gesundheitlichen Zustandes ließ Thomas sich ein drittes Mal impfen. Ein Schritt, den er heute kaum begreifen kann. Er sei zu dem Zeitpunkt noch „sehr sehr gesellschaftshörig“ gewesen, sagt er selbstkritisch.
Danach eskalierte alles. Sein Körper reagierte, als würde er gegen sich selbst kämpfen.
„Da hab ich überall kleine Einblutungen bekommen am Körper, ähnlich wie blaue Flecken oder Thrombosen, rote kreisrunde Punkte waren das, bis es dann plötzlich losging, dass sich richtige Hubbel an meinen Oberarmen, Unterarmen, am ganzen Körper gebildet haben und es zu massiven Einblutungen unterm Gewebe kam.“
Verletzlichkeit und der Verlust von Stärke
Doch der vielleicht tiefste Einschnitt war ein anderer.Sein durchtrainierter, muskulöser Körper war lange seine Ritterrüstung und sein Schutz gewesen, durch den er eine gewisse Distanz zu anderen Menschen bewahren konnte. Stärke war immer seine Identität gewesen. Und plötzlich war er, der stets starke Mann, verletzlich.
„Ich hab mich sehr schwer getan, mich auch verletzlich zu zeigen, dann war ich es plötzlich. […] Das war für mich ein wahnsinniger Kampf.“
Was folgte, war nicht nur körperlicher Schmerz, sondern auch Einsamkeit und Unverständnis. Denn auch im engsten Umfeld fand er kaum Halt. Selbst in seiner eigenen Familie wurde ihm nicht geglaubt. Bis heute ist das Thema dort problembehaftet und er muss darum kämpfen, gehört zu werden.
Der Weg an die Öffentlichkeit
Um Gehör zu finden, ging Thomas selbst an die Öffentlichkeit, schickte Bilder, erzählte seine Geschichte. Die regionale Zeitung griff sie auf. Mehrere Artikel erschienen und seine Geschichte wurde regional sichtbar.
Leben in Angst und im Ausnahmezustand
Heute lebt Thomas Weigand isoliert, einsam und allein in seiner Wohnung. Mit starken Schmerzen, die ihn täglich begleiten. „Damit ich so über den Tag komm“, nimmt er starke Medikamente, darunter Tilidin, eine opiatähnliche Substanz.
Nachts wird sein Zustand oft besonders schlimm. Massiv belastende Symptome wie Kopfdruck oder neurologische Aussetzer kommen hinzu. Momente, in denen er nicht mehr sprechen kann – und sie doch bewusst erleben muss.
„Wenn man dann zu Hause alleine ist und sich nicht einmal mehr mitteilen kann. […] Das macht halt Angst.“
Thomas‘ Zustand ist sehr ernst und lebensbedrohlich. Schon kleine Anstrengungen wie Treppen steigen bringen ihn an seine Grenzen. Da
„läuft mir der kalte Schweiß und ich krieg überhaupt keine Luft mehr und muss stehen bleiben.“
Mehrere Organe sind betroffen. Seine Diagnoseliste ist lang.
Von den Ärzten fühlt er sich oft allein gelassen: „So in der Art, der hat doch einen Schuss.“
Der Versuch, Beweise zu schaffen
Um sich zu schützen, begann er, alles zu dokumentieren. Fotos, Videos, Beweise gegen den Vorwurf, sich alles einzubilden.
Ein Schreiben seiner Krankenkasse an einen befreundeten Anwalt, einst sein Kunde, wurde für ihn zum Wendepunkt. Darin steht:
„Unstrittig ist, dass Ihr Mandant Herr Thomas Weigand in Folge der COVID-Impfungen schwer erkrankt ist.“
Seitdem wird ihm seitens der Ärzte zumindest zugehört. Doch echte Hilfe bleibt selten, denn viele Therapieansätze, die er versucht hat, blieben erfolglos.
Ein Hoffnungsschimmer
Linderung fand er bisher nur in einer Behandlung: der HELP-Apherese, einer Form der Blutwäsche, finanziert durch eine Spendenaktion. Drei Behandlungen konnte er initial dadurch finanzieren. Eine vierte HELP-Apherese wurde ihm durch einen Mitpatienten aus der Schweiz geschenkt. Durch diese Behandlungen geschah etwas, das er selbst kaum fassen kann:
„Es war für mich ein Wunder.“
Für einige Wochen war er nahezu schmerzfrei. Er konnte seine Medikamente drastisch reduzieren und hatte zum ersten Mal seit Langem das Gefühl, wieder zu leben.
Doch die Wirkung der HELP-Apheresen hielt nicht an. Die Symptome kehrten zurück in Form von Durchblutungsstörungen, Atemnot und Schmerzen.
Einige Monate später konnte, wie einem Arztbrief zu entnehmen ist, durch weitere Spendenaktionen die gesamte Therapie gemäß den Behandlungsprotokollen der Charité erfolgen: 5 HELP Apheresen und 5 Autoimmunadsorptionen. Letztere hat er laut Arztbrief schlecht vertragen.
So weiß Thomas heute: Er bräuchte die Behandlung mittels Blutwäsche regelmäßig. Laut Arztbrief lautet die Empfehlung
„alle 3 – 6 Monate einen Zyklus mit 5 HELP-Apheresen durchzuführen.“
Doch die Krankenkasse verweigert die Kostenübernahme.
Ein verändertes Weltbild
Durch seine Krankheit hat sich Thomas‘ Perspektive auf die Gesellschaft grundlegend verändert.
„Ich hab bemerkt, dass ich ein manipuliertes Schaf bin“,
sagt er heute über seine frühere Sicht auf die Welt.
Er leidet unter dem fehlenden Diskurs und unter der Ausgrenzung. Was er sich wünscht, ist eigentlich einfach:
„Mein Wunsch für die Zukunft ist, dass wir gehört werden. […] Es würde die Seele ein Stück heilen.“
Was bleibt
Denn was ihn am meisten verletzt, ist oft nicht der Schmerz – sondern das Schweigen und die leisen, für ihn spürbaren Unterstellungen seiner Mitmenschen. Er würde sich wünschen, von anderen gefragt zu werden, wie sich sein Schaden äußere. Dann „könnte ich Menschen Rede und Antwort stehen.“ Doch so heißt es oft, er habe nichts Offensichtliches: „Der ist ja nicht krank, der hat ja nichts.“
Dabei hat sein heutiges Leben mit seinem früheren Leben nichts mehr zu tun: keine Arbeit, kaum soziale Kontakte, dauerhafte Schmerzen, ständige Angst.
Angst vor allem vor dem, was jederzeit passieren könnte: ein Blutgerinnsel, ein Schlaganfall, ein Moment, der alles beendet. Denn wenn ein Blutgerinnsel vor dem Herzen oder Kopf stecken bleibt,
„dann ist Schicht im Schacht. […] Wenn man dann zu Hause alleine ist und sich nicht einmal mehr mitteilen kann und erträgt diese Dinge einfach nur, das macht halt Angst.“
Und so bleibt ein Leben, das einmal von Kontrolle und Stärke dominiert war – und heute von Angst und zugleich der Hoffnung, nicht länger übersehen, sondern gehört und ernst genommen zu werden, geprägt ist. Möge seine Hoffnung zu seinem Wohle und zum Wohle aller Impfgeschädigten wahr werden.

May 27, 2026

44 min


Das Interview wurde erstmalig am 27. 03. 2025 veröffentlicht.
Grit im Gespräch mit Johannes Clasen über die Coronazeit, ihre frühe Skepsis vor den Corona-Impfungen, den plötzlichen Tod ihrer 31-jährigen Tochter, zwei kleine Enkelkinder, die ohne ihre Mutter aufwachsen müssen und über offene Fragen, die bis heute bleiben. Kraft geben ihr die Treffen im Malchower Format, die ihr helfen, trotz Trauer und Wut weiterzuleben.
Eine besondere Zeit, die für Grit anders begann
Die Coronazeit begann für Grit ruhig, fast sorglos. Panik spürte sie nicht – weder bei sich noch im Familien- und Freundeskreis.
Sie erinnert sich noch gut an ein Interview, das sie damals hörte – ein Gespräch zwischen Christian Drosten und dem Journalisten Jörg Thadeusz im RBB, in dem „so eine Beruhigung“ vermittelt wurde.
Nachrichten aus Ischgl oder die Bilder von Krankenhäusern erreichten sie zwar, verunsicherten sie aber nicht. „Ein gesunder Mensch wird das schon […] wegstecken“, so ihre Einschätzung.
Auch später blieb ihre Sicht vergleichsweise gelassen. Sie hatte keine Angst vor der Krankheit selbst – eher vor den Nachrichten und den politischen Maßnahmen, die folgten: Die ließen „einen eigentlich den Kopf schütteln.“
Zu Hause war ihre Welt in Ordnung: der Garten, die Familie, das Enkelkind. „Friede, Freude, Eierkuchen“ – so beschreibt Grit diese Zeit, die durch den intensiven familiären Kontakt „auch was Schönes“ hatte.
Eine Lehrerin im Lockdown
Grit ist Lehrerin und war damals krankgeschrieben. Als im Frühjahr 2020 der erste Lockdown begann, hätte sie eigentlich wieder arbeiten sollen. Doch ihre Krankschreibung verlängerte sich – im Nachhinein empfindet sie das sogar als Glück. Denn vieles, was in dieser Zeit an Schulen umgesetzt wurde, empfand sie als absurd. Besonders die aus ihrer Sicht „lächerliche“ Maskenpflicht in Schulen habe sie befremdet.
Frühe Zweifel an der Impfung
Als gegen Ende des Jahres 2020 über die Entwicklung der Corona-Impfstoffe gesprochen wurde, hörte Grit Warnungen, die andere kaum wahrnahmen. Besonders die Aussagen von Sucharit Bhakdi blieben ihr im Gedächtnis: Hinweise auf mögliche schwere Nebenwirkungen der neuen Impfstoffe, die in der Gesellschaft kaum diskutiert wurden. Grit suchte gezielt nach Stimmen, die Panik relativierten, die sagten, dass „alles nicht so schlimm“ sei, und nach Fakten, die beruhigten. So stand für sie früh fest, dass eine Impfung weder für sie, noch für ihren Mann und ihren minderjährigen Sohn in Frage kommen würde. Grit wollte bewusst Entscheidungen treffen, informiert und eigenverantwortlich. Dem politischen und gesellschaftlichen Druck stand sie zunehmend skeptisch gegenüber.Als Lehrerin gehörte sie zu den privilegierten Gruppen, die früh ein Impfangebot erhielten. Fast alle ihre Kollegen nahmen es an. Doch sie blieb kritisch. Ihr Widerstand wurde stärker, je mehr man sie drängen wollte: „Ne, jetzt erst recht nicht. […] Warum will man das so mit Macht in die Menschen reinkriegen?“, fragte sie sich.
Eine Mutter, die immer gewarnt hatte
Grit warnte nicht nur ihren Mann und ihren Sohn vor der Impfung. Auch ihrer Tochter habe sie wiederholt ihre Meinung gesagt und ihr geraten:
„Lass dich nicht impfen!“
Die junge Frau war verheiratet, hatte mittlerweile zwei kleine Kinder und wohnte in Berlin. Auch wenn der Kontakt eng, die Beziehung liebevoll blieb, wusste die Mutter, dass ihr Einfluss begrenzt war und die Tochter ihre eigenen Entscheidungen traf. Der gesellschaftliche Druck – Testpflichten, Maßnahmen und die Angst, Außenseiterin zu sein – lasteten schwer auf ihr.
„Da war meine Tochter nicht so souverän wie ich.“
Drei Impfungen, ein letztes Weihnachten und ein plötzlicher Tod
Im Sommer 2021 ließen sich ihre Tochter und ihr Schwiegersohn schließlich impfen. Die junge Frau erhielt zunächst zwei Impfungen mit Moderna. Anfang 2022 folgte die Booster-Impfung mit Comirnaty. Zunächst verlief alles normal. Ihre Tochter arbeitete, kümmerte sich um Hausbau, Familie und ihre Kinder – das Leben verlief weiter wie gewohnt.Weihnachten 2021 traf sich die Familie unter den damals geltenden Einschränkungen. Im Rückblick hat dieses Weihnachtsfest für Grit eine besondere Bedeutung.
„Es war letztendlich das letzte Weihnachten mit unserer Tochter.“
Damals ahnte noch niemand, wie tragisch sich das folgende Jahr entwickeln und das Leben der ganzen Familie für immer verändern würde.Ab dem Frühjahr 2022 litt die junge Mutter unter starken Magen-Darm-Beschwerden und verlor deutlich an Gewicht. Dennoch arbeitete sie weiter, kümmerte sich um Haus, Kinder und Familie. „Die Kraft dazu war noch da“, sagt Grit im Rückblick. Sie bat ihre Tochter immer wieder, zum Arzt zu gehen. Doch diese wiegelte ab, wollte ihren Alltag aufrechterhalten. Im Juni organisierte sie noch die Geburtstagsfeier ihrer Tochter – vordergründig wirkte alles wie immer.Kurz danach schickte sie Grit an einem Sonntag noch Fotos von sich und den Kindern.Wenige Tage später, an einem Mittwoch, war sie „plötzlich nicht mehr da“, lag morgens tot in ihrem Bett.
„Wir sind aus allen Wolken gefallen.“
Der Schwiegersohn hatte am Abend zuvor nichts Ungewöhnliches bemerkt. Seine Frau sei ganz normal ins Bett gegangen, habe noch Rasen gemäht.
„Morgens hat sie den Wecker nicht gehört.“
Der Notarzt konnte nichts mehr tun. Da es sich um einen ungeklärten Todesfall handelte, folgten Polizei und Ermittlungen. Die Familie erstarrte in Schock und Verzweiflung.
Der erste Gedanke: die Impfung
In dieser unfassbaren Situation war für Grit sofort klar, was sie für die Ursache hielt.
„Ich hab sofort an diese Impfung gedacht. […] Im Prinzip hat Prof Bhakdi sowas ja vorausgesagt.“
Überflutet von einem Gefühl der Hilf- und Fassungslosigkeit dachte sie:
„Es ist jetzt genau das passiert und der Einschlag ist direkt bei dir.“
Neben der unermesslichen Trauer kam auch Wut:
„Auf der einen Seite Trauer, auf der anderen Seite totale Wut auf alles oder auf jeden, dass das möglich war.“
Bis heute ist sie überzeugt:
„Für mich steht hunderttausendprozentig fest, dass die Impfungen dafür verantwortlich waren.“
Die Obduktion – Ungereimtheiten und offene Fragen
Eine Obduktion sollte Gewissheit bringen, brachte jedoch nur neue Unsicherheiten.Grit und ihr Mann befanden sich zu diesem Zeitpunkt in Quarantäne und konnten ihre Tochter daher nicht mehr sehen, sich nicht mehr von ihr verabschieden.
„Das ist für mich nach wie vor ein Ding, ich muss jetzt glauben, dass sie nicht da ist, ich hab irgendwie keinen Beweis dafür.“
Irgendwann sei schließlich eine Urne beerdigt worden.
Nach der Obduktion wurde ein Herzfehler, der nie Probleme bereitet hatte, als angebliche Ursache genannt – ein Befund, der laut einem Internisten aus Grits Umfeld den Tod nicht erklären könne.Nach einem Jahr bat die Familie über eine Anwältin um Einsicht in die staatsanwaltliche Akte. In den Unterlagen fanden sich Hinweise auf mehrere Organschäden, die nicht erklärbar waren – unter anderem am Herzen, an der Lunge und an der Milz.
„So viele Schäden, und die Anwältin sagte uns: Ihre Tochter war schwer krank.“
Dabei sei sie, so Grit, bis zum Schluss leistungsfähig gewesen. „Ich möchte gerne eine Krankheit benannt haben, die diese Schäden hat“, so ihre Forderung. Doch eine klare Aussage wurde nicht getroffen. Bis heute nicht.
Eine weitere Ungereimtheit belastet Grit ebenfalls bis heute sehr: Ein Jahr nach dem Tod der Tochter versuchte sie, über Experten der MWGFD zusätzliche Untersuchungen der Gewebeproben zu veranlassen, um den Verdacht eines Impfschadens zu klären. Denn:
„Meine Überzeugung ist, dass es die Impfung war, die meiner Tochter das Leben gekostet hat.“
Doch als die Familie nach den Gewebeproben fragte, erhielt sie eine überraschende Antwort:Die Proben, die eigentlich mehrere Jahre aufbewahrt werden müssten, seien bereits wenige Monate nach dem Tod ihrer Tochter vernichtet worden. Das habe sie sehr stutzig gemacht, so Grit, bis heute wisse sie nicht, warum das geschehen sei. Entweder sei gegen Vorschriften verstoßen oder ihnen nicht die Wahrheit gesagt worden.Für Grit steht der Verdacht im Raum, dass man „irgendwie nicht mehr möglich machen wollte“, dass ihr Verdacht nachgeprüft werden könne.
„Das ist für mich auch noch mal so ein Schlag gewesen.“
Denn für sie wäre es ein wichtiges Ergebnis gewesen, „eine Bestätigung oder auch eine Nichtbestätigung zu bekommen. […] So bleibt das so lange ich lebe im Raum stehen.“
Für Grit bleibt damit eine für sie entscheidende Frage unbeantwortet. „Die Umstände des Todes, die Umstände der Obduktion hinterher sind für mich höchst fragwürdig“, lautet ihr Resümee.
Zwei Kinder ohne ihre Mutter
Am schwersten zu ertragen ist für Grit der Gedanke an ihre beiden Enkelkinder, die ihre Mutter nie wiedersehen werden:
„Meine Tochter hat zwei kleine Kinder hinterlassen. Die hätte sie gerne aufwachsen sehen.“
Die junge Frau sei eine liebevolle, engagierte Mutter gewesen. „Meine Tochter war gerne Mutter“, erinnert sie sich mit leiser Stimme. Der Kontakt zum Schwiegersohn ist bis heute gut.
„Das ist das Tröstliche dabei.“
Doch die Lücke, die der Verlust hinterlässt, ist unermesslich.
Zwischen Trauer und Wut
Vier Jahre sind inzwischen vergangen. Doch die Gefühle sind noch immer stark.
„Wenn ich darüber nachdenke geht es immer hin und her zwischen Trauer und Wut. Ich bin immer hin- und hergerissen und fühle mich so ohnmächtig.“
Besonders schwer fällt ihr, wenn mögliche Impfschäden öffentlich heruntergespielt, verharmlost und „bagatellisiert“ werden.
„Für mich ist das […] keine Einzelerscheinung.“
Sogar der Trauerredner habe bestätigt, dass seiner Beobachtung nach deutlich mehr junge Menschen plötzlich und unerwartet sterben würden.
Halt im Malchower Format
(Das Malchower Format ist eine monatlich stattfindende Vortragsreihe, die von Pfarrer Thomas Dietz ins Leben gerufen wurde. In diesem Beitrag wird dieses Format genauer erläutert.)
Eine wichtige Stütze hat Grit in den Treffen des Malchower Formats gefunden, wo sie Kraft tanken kann.
„Das ist wie so eine Art Selbsthilfegruppe für mich.“
Dort könne sie frei und offen sprechen, ohne Angst vor Ablehnung. Menschen, die ähnlich denken, hören ihr zu, sprechen ihr Mut zu und nehmen ihre Erfahrungen inmitten des großen Verlustes ernst. „Für mich ist das immer sehr wichtig“, sagt sie dankbar.
Der Wunsch nach Aufarbeitung
Was sich Grit heute am meisten wünscht, ist Aufklärung – nicht nur für sich und ihre Familie, sondern für alle, die betroffen sind.
„Ich wünsche mir wirklich eine Aufarbeitung. Nicht nur eine Enquete-Kommission, sondern wirklich Untersuchungsausschüsse.“
Für sie ist schwer zu ertragen, dass so viele Fragen offen und unbeantwortet bleiben. Die Tatsache, dass niemand Verantwortung übernehmen muss, ist für sie nicht nachvollziehbar und macht sie fassungslos.
Neben der Trauer spürt sie eine tiefe Ohnmacht:
„Welches Leid dabei […] passiert ist, durch die Verantwortlichen verursacht wurde. Es muss keiner eine Konsequenz tragen. Das tut mir sehr weh.“
Doch trotz aller Wut bleibt die Erinnerung an ihre Tochter lebendig – ebenso wie die Hoffnung, dass ihre Geschichte irgendwann Antworten und Gerechtigkeit bringt. Möge ihre Hoffnung wahr werden.

May 23, 2026

42 min


Das Interview wurde erstmalig am 17. 03. 2025 veröffentlicht.
Ruhestandspfarrer Thomas Dietz in einem berührenden Gespräch mit Johannes Clasen über eine Zeit, die ihn bis heute bewegt: über geschlossene Kirchen, ausgebliebene Debatten und die gesellschaftliche Spaltung durch die Impf- und Coronapolitik. Der evangelische Geistliche aus der Uckermark berichtet, warum er seine Kirche trotz Druck offenhielt und wie aus seiner Gemeinde ein Ort für Gespräche, Zweifel und persönliche Schicksale wurde. Ein bewegender Rückblick auf die Corona-Jahre – und auf die Frage, welche Rolle die Kirche damals spielte.
Wenn Pfarrer Thomas Dietz erzählt, spürt man schnell: Hier spricht jemand, der die Corona-Zeit nicht nur beobachtet, sondern durchlebt hat. Ruhig, überlegt, warmherzig, zugewandt – so wirkt der evangelische Geistliche aus der Uckermark. Einer, der zuhören kann und der Menschen ernst nimmt. In jedem Satz, den er spricht, spürt man seine innere Überzeugung und Menschenfreundlichkeit. Denn er ist einer, der in einer der schwierigsten Phasen der jüngeren deutschen Geschichte entschieden hat, seine Kirche offen zu halten – für offene Gespräche, für Zweifel und auch für Widerspruch.
Heute lebt er mit seiner Frau im Ruhestand zurückgezogen im kleinen Ort Mönkebude am Stettiner Haff. Abseits, ruhig, zwischen Wasser und Himmel. Doch die belastenden Jahre der Corona-Zeit mit ihren besonderen Bedingungen sind für ihn noch immer sehr präsent. Für seine Frau und ihn sei diese Zeit sehr anstrengend und herausfordernd gewesen, sagt er rückblickend. Denn damals stellte sich für ihn vor allem eine grundlegende Frage:
„Wie erfolgt jetzt Gemeindearbeit, wie steht Kirche, wo können wir den Menschen helfen?“
Ein Pfarrer, der die Kirchen offenhalten wollte, und Briefe, auf die niemand antwortete
Besonders erschüttert hat ihn zu Beginn der Pandemie, dass Kirchen geschlossen wurden. Für den Pfarrer, der in der DDR aufgewachsen ist und dort kirchlich engagiert war, war das ein tiefgreifender Einschnitt. Vieles habe er damals erlebt – aber dass Kirchen ihre Türen schließen, sei selbst in der DDR nicht vorgekommen. Dies sei ein Punkt gewesen, der ihn „sehr zum kritischen Nachdenken angeregt“ habe. Dass Ostern 2020 ohne Ostergottesdienste stattfinden sollte, habe ihn besonders bewegt. Denn das gab es seines Wissens „in der Geschichte noch nie“.
Was ihn zusätzlich beschäftigte, war die Frage, ob darüber innerhalb der Kirche überhaupt ein offener Diskurs möglich sei. Doch seine Erfahrung war ernüchternd:
„Der wurde überhaupt nicht zugelassen.“
Im April 2020 schrieb er einen offenen Brief an die brandenburgische Landesregierung. Darin kritisierte er unter anderem abgesperrte Spielplätze, den Umgang mit alten Menschen in Pflegeeinrichtungen und geschlossene Kitas. Gerade in seinem Pfarrgebiet kannte er viele Familien aus schwierigen sozialen Verhältnissen. Für manche Kinder sei die Kita ein stabiler Ort gewesen, ein Schutzraum. Doch eine Antwort bekam er nicht. „Gar nichts.“
Auch ein zweiter Brief an die Landeskirche blieb weitgehend folgenlos. Zwar rief ihn der Bischof später an, doch Dietz hatte den Eindruck, dass grundlegende Kritik nicht wirklich aufgenommen wurde. 
„Das hörte er, aber reagierte darauf überhaupt nicht.“
Die Kirchenleitung hatte sich, so Thomas Dietz, „nicht bemüßigt gefühlt“, zu handeln.
Besonders schmerzte ihn der Umgang mit Kranken und Sterbenden. In vielen Einrichtungen, auch Hospizen, waren Besuche nicht mehr erlaubt. Für Dietz eine moralische Grenzüberschreitung, die er auch öffentlich anprangerte. Die Kirche habe, so seine deutliche Kritik, „an dieser Stelle ganz und gar versagt.“ Offizieller Protest sei ausgeblieben:
„Da ist von den Amtskirchen gar nichts gekommen.“
Die Demonstration in Berlin am 1. August 2020
Im 1. August 2020 fuhr Dietz mit seinen Kindern und einem Freund zu einer großen Demonstration nach Berlin. Was er dort erlebte, passte für ihn nicht zu dem Bild, das vielerorts in den Medien gezeichnet wurde.
„Das war für uns wirklich ein eindrückliches Erlebnis“, sagt er. Die Teilnehmer habe er als bunt gemischtes Publikum erlebt:
„Ein Publikum, wie man es sich für einen Kirchentag bloß wünschen würde, durch alle Generationen durch, querbeet, Hunderttausende.“
Besonders ein Moment hat sich in ihm tief eingeprägt: Als die Polizei die Veranstaltung auflöste, standen noch einige Redner auf der Bühne. Unter ihnen auch der Arzt Bodo Schiffmann.Dietz erinnert sich sichtbar bewegt, mit den Tränen kämpfend:
„Ich habe immer noch vor Augen, wie die Polizei dort schwer bewaffnet […] auftrat.“
Dann stockt seine Stimme:
„Ich kuckte zu Bodo Schiffmann hin und sah, dass seine Lippen sich bewegten und er betete das Vater unser.“
Der Nordkurier – eine Regionalzeitung, die zuhört und fair berichtet.
Wenige Tage nach der Demonstration meldete sich eine Zeitung bei ihm: der Nordkurier. Die Regionalzeitung hatte gehört, dass Pfarrer Dietz an der Demonstration teilgenommen hatte und bat ihn um ein Gespräch.
Er sagte zu – und die Zeitung veröffentlichte einen ausführlichen Beitrag über ihn, seine offenen Briefe und seine Erfahrungen in Berlin, übertitelt mit „Pfarrer wendet sich gegen die Panikmache“. Für Thomas Dietz war das ein entscheidender Moment. Denn der Nordkurier berichtete fair, ohne ihn zu diffamieren.
Der Artikel löste eine Welle von Leserbriefen aus. Rund 80 Prozent der veröffentlichten Zuschriften unterstützten ihn. Viele Menschen bedankten sich für seine Haltung. Diese Resonanz habe ihm sehr viel Kraft gegeben und ihm den Rücken gestärkt, so Dietz. Gleichzeitig habe sie ihm gezeigt, wie groß der Gesprächsbedarf war.
Die Rolle der Zeitung bewertet Dietz bis heute als entscheidend. Ohne diese Berichterstattung wären seine späteren Veranstaltungen, die als „Malchower Format“ überregionale Bedeutung erlangen sollten, wohl kaum so bekannt geworden.
Das „Malchower Format“ – eine Kirche wird zum Gesprächsort
In den Dörfern seiner Gemeinde spürte Dietz damals eine besondere Atmosphäre: einerseits große Angst vor Krankheit und Ansteckung, andererseits aber ein enormer Wunsch nach Austausch und Kommunikation – eine stark spürbare Spannung zwischen Angst und Menschlichkeit.
Aus diesem Gefühl heraus entstand eine Idee: Vorträge in seiner Kirche. Ein Ort, an dem Menschen zuhören, diskutieren und Fragen stellen konnten, ein Ort, um Menschen aufzuklären und ihnen die Angst zu nehmen. So entstand die Vortragsreihe, die später überregional bekannt wurde: das „Malchower Format“.
Die erste Veranstaltung fand im Januar 2021 statt. Eingeladen war der Arzt Paul Brandenburg. Der Nordkurier kündigte die Veranstaltung an und berichtete später auch darüber – fair und sachlich.
Dietz bekam schon kurz danach zahlreiche Nachrichten. Viele Menschen schrieben ihm, dass sie sich durch die Veranstaltung ermutigt fühlten, „nicht angstbesessen durch diese Zeit zu gehen.“ Viele hätten sich bedankt, wie sehr ihnen diese Treffen, die regelmäßig abgehalten wurden, geholfen hätten, „durch diese schwierige Zeit zu kommen.“
Eine Gemeinde ohne Druck
In seiner eigenen Gemeinde versuchte Dietz bewusst, jede Spaltung zu vermeiden. In den Gottesdiensten gab es keine Kontrolle von Maskenattesten, keinen Druck.
„Es saßen Leute, wo ich weiß, dass sie Angst weiterhin hatten, die also auch mit Maske saßen – und es saßen auch Leute natürlich ohne Maske.“
Für ihn war entscheidend, dass sich niemand ausgeschlossen fühlte.
„Es war mir ein Herzensanliegen, dass ich jetzt nicht meine eigene Gemeinde spalte durch mein Engagement.“
Und tatsächlich blieb die Atmosphäre ruhig, respektvoll und offen.
Die Spaltung durch die Impfpolitik
Mit Beginn der Impfkampagne nahm die gesellschaftliche Spannung aus seiner Sicht deutlich zu. Seiner Erinnerung nach habe das die gesellschaftliche Spaltung stark vorangetrieben, so Dietz.
Besonders kritisch sieht er in dem Zusammenhang die Rolle der Kirchen, die „selbst für die Impfung in die Propaganda gegangen sind.“
Manche Gemeinden führten sogar 2G-Regeln ein. Für Dietz war das „ganz klar ein Verbrechen“, da man „Leute wirklich ausgeschlossen hat, gänzlich ausgeschlossen hat.“
Viele Menschen, die jahrzehntelang treue Gemeindemitglieder gewesen waren – selbst in der DDR – hätten sich dadurch tief verletzt gefühlt und seien – für Dietz nachvollziehbar -  „verstört“ aus der Kirche ausgetreten. „Ich konnte dem nicht widersprechen“, sagt er dazu.
Menschen erzählen ihre Schicksale
Mit der Zeit rückte ein weiteres Thema in den Mittelpunkt: mögliche Impfschäden.
Dietz berichtet von vielen Gesprächen mit Betroffenen.
„Ich habe erlebt, dass Leute einen Rheumaschub kriegten, ich habe erlebt, dass Leute einen Entzündungsausbruch am Körper hatten, in Depression gefallen sind.“
Auch von gehäuften Krebserkrankungen und einem Hirnaneurysma habe er erfahren. Immer häufiger sprachen betroffene Menschen nach den Vorträgen mit ihm über ihre Schicksale.
Besonders eindrücklich waren für ihn in dem Zusammenhang Vortragsabende mit Fachreferenten.
Bei einer Veranstaltung mit Professor Cullen aus Münster standen plötzlich mehrere Besucher auf und erzählten ihre eigenen Geschichten:
„Acht, neun, zehn Leute sind dann aufgestanden und haben ihre Schicksale geschildert.“
Unter ihnen war ein Mann in seinem Alter, der nach eigener Überzeugung nach der Impfung zwei Krebserkrankungen entwickelt hatte. Diesen Mann habe er „ein Vierteljahr später beerdigt“, so Dietz.
Auch bei weiteren Veranstaltungen meldeten sich Betroffene zu Wort.
„Auch da haben dann mehrere Leute sich gemeldet und ihre Schicksale geschildert.“
Für viele von ihnen seien die Veranstaltungen in Malchow der einzige Ort gewesen, an dem sie „überhaupt mal darüber sprechen können und Gleichgesinnte treffen können.“
Denn im Alltag stoßen sie oft auf Ablehnung und hören Sätze wie:
„Hör mal auf mit der Leier, das ist ja nun vorbei. Und komm, reiß dich zusammen!“
Eine Plattform für den offenen Diskurs
Für Dietz war das „Malchower Format“ deshalb mehr als nur eine Vortragsreihe. Es sollte ein Raum sein, in dem Menschen ihre Erfahrungen aussprechen können – auch wenn diese nicht in das öffentliche Narrativ passen. Er sieht genau darin eine Aufgabe der Kirche. Sie müsse auch jenen eine Plattform bieten, die sonst nicht gehört werden.
Bis heute vermisst er eine ernsthafte, ehrliche Aufarbeitung der Corona-Zeit, sowohl gesellschaftlich, als auch juristisch, als auch innerhalb der Kirchen:
„Ich vermisse jetzt völlig, dass Kirche eigentlich hinterfragt, was läuft hier eigentlich ab?“
Dietz bedauert das sehr. Seiner Ansicht nach hätte die Kirche eine andere Rolle spielen, einen Ort des offenen Diskurses, eine Plattform für unterschiedliche wissenschaftliche Stimmen darstellen müssen.
„Ich denke mal, wenn das die Kirchen gemacht hätten, beide großen Kirchen gemacht hätten, dann wär die ganze Coronazeit ganz anders abgelaufen.“
Ein Format, das weiterlebt
Obwohl er inzwischen im Ruhestand ist, organisiert Dietz die Veranstaltungen weiter. Der Gemeindekirchenrat hatte ihn ausdrücklich gebeten, das „Malchower Format“ auch nach seiner Pensionierung fortzuführen. Vorträge sind bis Sommer 2026 geplant. Für Dietz ist das ein Zeichen, dass seine Arbeit Früchte getragen hat. Denn für viele Besucher ist seine kleine Dorfkirche zu einem besonderen Ort geworden – einem Ort, an dem man reden darf, zuhören darf, zweifeln darf, einander begegnen und ermutigen kann.
Und genau das war von Anfang an seine Motivation und bleibt sein Vermächtnis:In Zeiten der Angst die Kirche offen zu halten.
Für Gespräche, für Fragen, für Zweifel, für Antworten. Und vor allem für die Menschen.

May 20, 2026

54 min


Das Interview wurde erstmalig am 03. 03. 2026 veröffentlicht.
Hannah war eine junge, leistungsorientierte und hochtrainierte Läuferin. Heute ist davon nichts mehr übrig, denn nach den Corona-Impfungen erkrankte sie schwer. Was mit geschwollenen Gelenken und Erschöpfung begann, entwickelte sich zu einer komplexen, chronischen Erkrankung. Es folgte eine jahrelange Odyssee durch Arztpraxen und Kliniken, zahllose Therapieversuche, invasive Behandlungen, Hoffnungen – und immer wieder Rückschläge. Doch Hannah kämpft weiter trotz Verzweiflung, sozialer Isolation und existenzieller Gedanken. Denn sie will leben. Nicht mit Schmerz und Erschöpfung – sondern mit einer echten Perspektive auf Anerkennung und Verbesserung.
Hannah aus Baden-Württemberg war eine junge, leistungsorientierte, sportliche Frau, die lief, während andere noch schliefen. Über 100 Kilometer pro Woche. Jeden Tag. Ihr Körper war ihr Zuhause, ihre Kraftquelle, ihr Stolz. Kurz vor der Impfung war sie so fit wie nie zuvor. Ihr Ziel: die fünf Kilometer unter 20 Minuten. „Ich hätte das auch laut meinem Training erreicht.“
Heute kann Hannah keine Läufer mehr sehen. „Das zerreißt mir das Herz, da muss ich losheulen.“
Hannah ist trotz ihrer schweren Erkrankung mutig und stark. Denn früh ging sie an die Öffentlichkeit mit der Information, dass sie nach den Corona-Impfungen schwer erkrankt ist. Eine Entscheidung, die Courage verlangt hat – und die sie bis heute Kraft kostet.
Auf die Frage, warum sie sich impfen ließ, sagt sie:
„Die Frage, die stell ich mir selber tatsächlich jeden Tag.“
Die Angst vor Corona – und der Wunsch, weiterlaufen zu können
Im Dezember 2020 erkrankte ihre Familie an Corona. Zuerst der Vater – schwer, mit typischen Symptomen, Geruchs- und Geschmacksverlust, totaler Erschöpfung. Dann die Mutter, leichter Verlauf. Im Januar 2021 traf es Hannah selbst. Auch sie war erschöpft, hatte grippeähnliche Symptome und starke Ohrenschmerzen, aber kein Fieber. Nur ihr Vater erhielt damals einen PCR-Nachweis. Für sie und ihre Mutter standen keine PCR-Tests zur Verfügung – eine Tatsache, die sie fatalerweise später zur zweiten Impfung veranlassen sollte.
Ab Frühjahr 2021 ging es Hannah wieder gut. Sie konnte wieder laufen. Die Angst vor einer schweren Corona-Erkrankung aber blieb. Hannah hatte große Sorge, dass das Virus ihre Lunge angreifen und ihr den Laufsport nehmen könnte.
Die Entscheidung für die Impfung war vielschichtig: Sie war „gutgläubig“, sagt sie heute. Und sie hatte Angst. Auch der Druck am Arbeitsplatz war hoch. Ihre Vorgesetzten waren Impfbefürworter. Tägliches Testen empfand sie als Schikane. Selbstkritisch stellt sie fest: „Ich hätte diesem Druck nicht standgehalten.“_
Erste Reaktionen nach der Impfung
Zum Zeitpunkt der ersten Impfung war sie wegen einer Sportverletzung in der Leiste krankgeschrieben. Auf ihre Impfentscheidung hatte dies aber keinen Einfluss. Sie hätte sich trotzdem impfen lassen, sagt sie.
Drei Tage nach der Impfung begannen die Beschwerden: geschwollene, schmerzende Kniegelenke. Sie konnte kaum noch gehen. Schmerzmittel halfen nicht. Dazu kam eine ausgeprägte Fatigue.Vor der zweiten Impfung spürte sie schon deutliche Zweifel und sprach ihren Arzt darauf an. Ob das sinnvoll sei? Sechs Wochen lagen dazwischen. Die Fatigue hatte sich etwas gebessert. Doch der Arzt riet zur zweiten Dosis. Aufgrund des fehlenden PCR-Nachweises „musste“ sie sich, im Gegensatz zu ihrem Vater, ein zweites Mal impfen lassen. Die Beschwerden wurden auf ihren intensiven Laufsport und die Sportverletzung geschoben.
Nach der zweiten Impfung kam der „mega-Fatigue-Zustand“. Für sie war klar: Das konnte nicht mehr von der Leistenverletzung kommen, die zwei Monate zurücklag.
Die Leiste reagierte wie „ein Rebound“, die Beschwerden wurden heftiger. Pulsierende Entzündungsschmerzen, Krämpfe in den Ellenbogen, anschwellende Finger, Eiter an den Fingernägeln, entzündete Fingerkuppen. Ein bestehendes Raynaud-Syndrom verschlimmerte sich drastisch. Es folgten Kieferschmerzen, Licht- und Geräuschempfindlichkeit, Darmprobleme, Entzündungen und Brennen an Schleimhäuten.Sie konnte nicht einmal mehr spazieren gehen.
Auf der Suche nach Antworten und Hilfe
Im Herbst 2021 begann ihre Odyssee durch Arztpraxen und Kliniken. Zunächst erfolgte eine stationäre Aufnahme in einer Rheumaklinik. Eine Krankenschwester sagte ihr dort, „wieviele Fälle sie hätten seit der Impfung. So viele Leute, die seit der Impfung einen Rheumaschub bekommen haben oder wo sich Rheuma entwickelt hat. Und dass es sogar die Ärzte sagen würden.“ Ihr gegenüber habe das jedoch kein Arzt gesagt. „Aber der Schwester gegenüber wohl schon.“ Rheumafaktoren wurden nicht gefunden. So blieb es offiziell bei der Annahme einer Sportverletzung. Doch Hannah spürte, dass mehr dahintersteckte, dass die Ärzte „mehr wissen als sie sagen. […] Man kriegt da irgendwie ein Gespür.“
Es folgten unzählige Arztkontakte: Rheumatologen, Neurologen, Universitätskliniken. Anfangs wurde ihren Schilderungen kein Glauben geschenkt. Ihre Beschwerden seien psychischer Natur, so die Aussagen der Ärzte. Doch im Laufe der Zeit wurden viele Diagnosen gestellt: Post Vac, ME/CFS, immunvermittelte Small Fiber Neuropathie (SFN), klinisch gesichert durch Hautbiopsie im Sommer 2024. Autoantikörper wurden nachgewiesen.
Ihre Symptome passen dazu: Ganzkörperschmerzen, tief, drückend, stechend, pulsierend. Berührungsempfindlichkeit. Gestörtes Temperaturempfinden. Autonome Störungen mit Beteiligung des Magen-Darm-Trakts. Dauerschmerz, der auch durch Schmerzmittel nicht in den Griff zu bekommen ist.
Typisch für Hannahs Schmerzen ist, dass sie wandern und sich verlagern. „Immer für einige Monate am Stück an derselben Stelle sehr heftige Schmerzen.“ Andere Schmerzen seien dumpfer – „damit könnte ich sogar leben.“
Es folgten entzündete Füße, eine entzündete Achillessehne – sie kam nicht mehr in geschlossene Schuhe. Später kamen massive Rückenbeschwerden hinzu. Ein privater Schicksalsschlag verschlimmerte die Situation. Die Schmerzen wurden dauerhaft.
Diese heftigen Schmerzen haben „mich zurückgeworfen wie zum Teil die Zustände direkt nach der Impfung gewesen sind.“
Wenn nichts hilft
Resigniert sagt sie: „Für mich ist es so schlimm, dass mir nichts hilft.“
Denn sie hat fast alles versucht:Nahrungsergänzungsmittel. Unterschiedlichste Ernährungsformen. Schmerzmittel, Statine, Sartane. LDN (Low-Dose Naltrexon). Magnetfeldmatte – die die Nervenschmerzen verstärkte. Auch eine mehrmonatige Phase ganz ohne Medikamente, um dem Körper die Chance zu geben, die Selbstheilungskräfte zu aktivieren. Nichts half.
Auch invasive Behandlungen gehören zu ihren Therapieversuchen:Hannah unterzog sich sieben Immunadsorptionen in Hannover. Eine kostet 2.500 Euro. Von der Kasse wurden sie nicht bezahlt. Der Effekt: „null“.
Die Verabreichung von Immunglobulinen in der Universität Tübingen wurde von der Krankenkasse bezahlt und brachte zunächst Besserung: mehr Energie, besserer Schlaf, bessere Verdauung. Hoffnung. Doch später zeigten sie keine Wirkung mehr. Nach einer Therapiepause versuchte sie es erneut mit einer ambulanten Gabe der Initialdosis. Darauf eskalierte ihr Zustand mit Herzrasen. „Sodass ich dann gesagt habe: Das macht doch keinen Sinn und ich möchte das nicht mehr.“
Viele dieser Therapien wurden privat finanziert. Ihre Familie hat sehr viel Geld investiert. Hannah weiß, dass sie sich in einer besonderen Lage befindet. Viele andere Betroffene seien finanziell ruiniert. Sie hingegen konnte nahezu jede Therapieoption ausprobieren. Dafür ist sie dankbar.
Mittlerweile sieht sie sich und andere Betroffene als Versuchskaninchen. Denn viele Geschädigte seien so hoffnungslos, dass sie sich jeder Therapieform unterziehen würden, fatalerweise aber „dafür noch zahlen“ müssten.
Der Gedanke an den Tod
Im Dezember 2025 ging es ihr besonders schlecht. Die Universitätsklinik Tübingen bot nur noch Schmerztherapie an – viele Medikamente kann sie aber wegen einer Herzproblematik nicht nehmen.
„Das war es dann halt von Seiten der Uniklinik. Das hat mich wirklich in ein richtiges Loch gezogen, ich war so verzweifelt, weil ich dachte, jetzt hab ich gar keine Optionen mehr, weil ich alle Therapien schon hinter mir hab.“
Aus Verzweiflung begann sie, über begleiteten Suizid nachzudenken. Sie wollte „mit diesen Schmerzen nicht mehr leben“, wollte nicht mehr anderen jungen Menschen beim Leben zusehen. Ein begleiteter Suizid erfordert jedoch ein psychiatrisches Gutachten, das einen lang anhaltenden Wunsch bestätigt. Sie suchte nach Möglichkeiten. Wartete auf Rückmeldungen. Bisher hat sie von dem angefragten Psychiater nichts gehört.
Eine neue Hoffnung: Stammzellentherapie
Doch dann hörte sie von einer anderen Option, die „vielversprechend sei“: eine Stammzellentherapie, bei der Stammzellen aus dem körpereigenen Fettgewebe entnommen, aufbereitet und wieder infundiert werden. Dies gab ihr neue Hoffnung. So sagte sie sich: „Hannah, du bist noch so jung, und eigentlich möchtest du ja leben.“So unterzog sie sich vor einem Monat dieser Stammzellentherapie. Kosten: über 10.000 Euro. Eine sehr schmerzhafte Prozedur, an der sie noch heute laboriert.
Hannahs Bauch ist noch verhärtet, Hämatome sind noch sichtbar. Der Wirkungseintritt kann bis zu einem halben Jahr dauern. Noch lässt sich nichts über den Therapieerfolg sagen.„Aber klar: […] Jede Woche die verstreicht, werde ich nervöser und hab auch wieder Angst.“Derzeit sind Hannahs Schmerzen stärker. Vielleicht, weil sie für den Eingriff „total viel Kräfte mobilisiert“ hat „und Adrenalin in mir hatte.“ Anspannung führt bei ihr oft zu einem Crash – auch mit Schmerzverstärkung.
Sie plant: Wenn sich ihr Zustand um die Stammzellentherapie langfristig um 30 bis 40 Prozent verbessern würde, würde sie sie wiederholen. Wenn nicht, dann nicht.
Anerkennung und Ehrlichkeit
Hannah wünscht sich Anerkennung, Medikamente, die helfen, Forschung und vor allem Ehrlichkeit. Ehrlichkeit vor allem auch seitens betroffener Ärzte. Denn Hannah kennt sechs Ärzte, die selbst erkrankt oder deren Familien betroffen sind. Eine geschädigte Ärztin sitzt immer wieder im Rollstuhl und wird dennoch von ihren Kollegen stigmatisiert: Ihre Beschwerden wurden auf die Psyche geschoben.
Von diesen betroffenen Ärzten hört man in der Öffentlichkeit nur wenig:„Ich glaub, das Problem ist: Diese Ärzte, die einen Impfschaden haben, aber noch selber arbeiten können, die wollen nicht an die Öffentlichkeit gehen, weil sie Angst haben, dass sie Anfeindung zu spüren bekommen oder sogar ihren Job verlieren.“
Sie habe Ärzte gefragt, ob sie gemeinsam mit ihr in diesem Interview vor der Kamera sprechen würden. Aber: „Die hatten alle Angst.“ Resigniert stellt sie fest: Das Schweigekartell ist real.
Trotz Dauerschmerzen, sozialer Isolierung und schwerer Krankheit darf Hannah auch Positives erleben: Viele Betroffene haben sich an sie gewandt und sich für ihren Mut bedankt. „Das gibt mir viel zurück.“ Auch Genesungswünsche, die sie zahlreich erreichen, berühren sie „jedes Mal aufs Neue.“_
Hannah wollte laufen, die Kraft ihres Körpers spüren, leben. Sie will es noch immer. Denn sie will nicht sterben, sondern leben – in einem Zustand, der nicht von Schmerzen und Fatigue dominiert ist. Im Moment hat sie eine Entscheidung für das Leben getroffen. Möge es so bleiben.

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